Immer wieder großartig zu lesen: Interviews mit erfolgreichen Examenskandidaten! Diesmal berichtet euch Simon, der zu den Stammpostern im Basiskarten-Forum gehört, wie er sich auf sein erstes Staatsexamen vorbereitet hat und wie es bei ihm lief. Viel Freude beim Lesen und dir, Simon, noch einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!
Hallo, Simon! Wie ist es gelaufen?
Das Examen lief super! Ich bin aus den schriftlichen Prüfungen mit 10,33 Punkten rausgegangen und konnte mich durch die mündliche Prüfung noch auf 11,08 Punkte im staatlichen Teil verbessern. Mit dem Schwerpunkt ergibt das eine Gesamtnote von 10,97 Punkten. Insgesamt bin ich damit richtig zufrieden.
In welchem Semester bist du ins Examen gegangen? Wie lang war deine Examensvorbereitung insgesamt? Hast du abgeschichtet?
Ich bin im 11. Semester ins Examen gegangen. Meine Examensvorbereitung hat insgesamt 15 Monate gedauert. Für das Sicherheitsgefühl hätte ich gerne noch 3 Monate länger Zeit gehabt, allerdings kann man in meinem Bundesland nur alle 6 Monate schreiben. Nochmal 6 Monate dranhängen wäre mir dann doch zu lange gewesen. Abgeschichtet habe ich nicht.
Wie fandest du die Klausuren? Wie war dein Gefühl danach?
Nach der ersten Klausur (Baurecht/Kommunalrecht) war ich fest davon überzeugt, dass ich die Klausur nicht bestanden habe und in den Verbesserungsversuch gehen werde, da ich wirklich keine Ahnung hatte, was ich in der Klausur prüfen soll. Bei den kommenden Klausuren hatte ich dann eine Art "Galgenhumor", was mich glaube ich gelassener an die Sache hat rangehen lassen. Bei den nächsten Klausuren hatte ich dann eigentlich nie das Gefühl, dass sie besonders gut oder schlecht waren. Nur bei einer weiteren Klausur dachte ich mir, dass sie ganz gut lief, da ich 2 von 3 Aufgabenteile aus Übungsklausuren kannte. Das waren etwas speziellere Fragen aus dem Immobiliarsachenrecht.
Je näher dann aber die Notenbekanntgabe kam, desto schlechter wurde mein Gefühl. Durch den erneuten Beginn der Wiederholung der Karten sind mir immer mehr Dinge aufgefallen, die ich wohlmöglich falsch gemacht habe. Letztlich waren all die Sorgen, die ich mir gemacht habe, unbegründet. Die erste Klausur wurde mit 10 Punkten bewertet und keiner meiner vermuteten Fehlern wurde in den Voten der Korrektoren aufgegriffen.
Wie würdest du deinen Wissensstand zu Beginn der Examensvorbereitung einschätzen?
Durchmischt. Während ich im Strafrecht aufgrund des Schwerpunktes recht fit war und der große Schein aus dem öffentlichen Recht noch nicht so lange zurück lag, war das Zivilrecht meine größte Baustelle. Hierbei haben mir einerseits die kompletten Nebengebiete gefehlt sowie das Immobiliarsachenrecht. Ein Verständnis für die Zusammenhänge im BGB war auch noch nicht da.
Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?
Ich habe zu Beginn ein kommerzielles Rep gebucht. Allerdings haben ein Freund und ich schon im ersten Monat festgestellt, dass das nichts für uns ist und wir uns anders organisieren müssen. Dadurch bin ich glücklicherweise auf deine Website und deinen Planer für das Examen ohne Rep gestoßen. [Anmerkung Thomas: Hier die Version für die Planung mit Basiskarten] Wir haben dann erstmal Recherche betrieben, welche Skripte wohl am besten den Examenstoff abdecken. Als wir das zusammen hatten, haben wir die Bücher und alle weiteren notwendigen Daten in den Planer eingegben und hatten einen ziemlich genauen Zeitplan für die Vorbereitungszeit. Die Vorbereitung bestand dann aus den Basiskarten und selbstgeschriebenen Karten, den Skripten und Klausuren.
Ich habe bewusst auf Lehrbücher verzichtet, da man meines Erachtens so viel Detailwissen nicht braucht und das einfach nur Zeit frisst. Das beste Skript in der Vorbereitung war auf jeden Fall Sachenrecht I und II von Helms/Zeppernick. Das Kurzlehrbuch hat jeweils 150 Seiten auf A5 Format. Das Examensrepititorium Strafrecht von Jäger (AT und BT) fand ich auch super. Das ist etwas umfangreicher und bietet sich an, wenn man schon eine gute Basis im Strafrecht hat.
Gab es besondere Hoch- oder Tiefpunkte in deiner Examensvorbereitung?
Als besondere Tiefpunkte würde ich auf jeden Fall die Übungsklausuren nennen, bei denen man das Gefühl hatte, man weiß gar nichts und ist mit seiner Vorbereitung auf dem Holzweg. Das kann einen schon runter ziehen, insbesondere wenn das kurz vor den schriftlichen Prüfungen passiert. Ansonsten ist der konstante Lernstress natürlich auch nicht gerade schön.
Als besonderes Hoch habe ich das Probeexamen in Erinnerung. Da habe ich gemerkt, dass meine Noten grundsätzlich besser werden, umso realistischer die Prüfungssituation ist. Mein Schnitt ist dabei von circa 6-7 Punkte auf 8,5 im Probeexamen gestiegen.
Was unterscheidet die Basiskarten deiner Meinung nach von anderen Lernmitteln?
Mit den Basiskarten kann man sich extrem effizient in neue Themen einarbeiten. Während man mit dem Lehrbuch wahrscheinlich den kompletten Nachmittag braucht, um ein Kapitel richtig zu verstehen, sitzt die "Basis" mit den Karten schon nach einer Stunde.
Ein extremer Vorteil ist auch, dass man das Wissen stetig aufbaut und nicht wieder vergisst. Durch den Algorithmus muss man wirklich nicht mehr machen, als jeden Tag den Stapel abarbeiten, der einem für die Wiederholungen ausgespuckt wird. Außerdem hält man sich nicht unnötig lange mit einzelnen Karten auf, da man ja am nächsten Tag sowieso die Kontrolle hat, ob man sich die Karte gemerkt und verstanden hat.
In welchem Bereich haben dir die Basiskarten am meisten geholfen?
Das lässt sich so pauschal nicht sagen, da ein großer Teil meiner Lernroutine auf den Basiskarten basierte und sie mir somit in jedem Fach sehr geholfen haben. Da ich aber im Strafrecht relativ fit war und im öffentlichen Recht nicht alle Stapel vorhanden waren (insbesondere die länderspezifischen), würde ich das Zivilrecht nehmen. Aufgrund der immensen Stoffmenge sind die Karten hier für den Gesamtüberblick die größte Hilfe gewesen.
Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet?
Montags bis Freitags habe ich morgens erstmal die fälligen Karteikarten wiederholt und dann circa 30 neue Karten gelernt. Danach habe ich mich an das Skript gesetzt und circa 20-30 Seiten durchgearbeitet und mir das wichtigste davon auf selbsterstellte Karteikarten geschrieben. Manchmal habe ich zum Abend auch noch die selbsterstellten Karten gelernt, sodass diese am nächsten Tag direkt in den Wiederholungen waren. Je nach Thema hat man mal mehr oder weniger Seiten im Skript geschafft. Zum Ende der Vorbereitung eher weniger, da allein das Wiederholen der Karten 2-3 Stunden in Anspruch genommen hat. Am Ende hatte ich 12.000 Karten im Deck, die wiederholt werden mussten. Aus diesem Grund habe ich letztlich auch von einer zuerst geplanten Vertiefungsphase abgesehen. Darüber bin ich am Ende auch froh, da schon meine zuvor erstellten Karten in der Retrospektive sehr detailreich waren – im Examen gebraucht habe ich davon keine bis auf das Landesrecht.
Am Samstag war dann der Klausurtag. An diesen Tagen habe ich dann meistens versucht, noch die fälligen Karten zu wiederholen. Das war aber oft richtig ermüdend.
Sonntags war dann mein freier Tag. Das habe ich am Anfang auf jeden Fall auch noch durchgezogen. Später habe ich dann sonntags manchmal die fälligen Karten wiederholt, damit nicht der komplette Montag für die Wiederholungen drauf geht.
Wie viele Stunden hast du pro Tag in der Regel „netto“ gelernt bzw. wie viele Pomodoro-Einheiten erledigt? Hat sich das im Laufe der Vorbereitungszeit verändert?
Ich habe insgesamt täglich 6 Stunden netto gelernt. Nach 30 Minuten habe ich circa 5 Minuten Pause gemacht und nach 2 Stunden netto Lernzeit immer eine längere Pause von 30 Minuten. An den Klausurtagen kam ich mit der Klausur und den Wiederholungen circa auf 6-7 Stunden. Den letzten Monat der Vorbereitung habe ich nochmal eine Schippe drauf gelegt und meistens 7-8 Stunden gelernt. Das war aber auch nur machbar, weil für mich klar war, dass ich ein paar Tage vor dem Examen nichts mehr machen werde und das nur noch für kurze Zeit so ist. Auf Dauer kann ich das niemandem empfehlen.
Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?
Ich habe circa 30 Übungsklausuren geschrieben und in den letzen paar Monaten nochmal 15-20 Klausuren zusätzlich gegliedert.
Gibt es sonst noch Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?
Nach einiger Zeit habe ich angefangen juristische Fälle als Podcast zu hören (insbesondere Iuridicum), um noch ein bisschen gestreuter aktuelle juristische Fälle und ein paar Klassiker mitzubekommen. Das war einerseits gut fürs Gewissen, weil ich nicht vorhatte massenhaft aktuelle Rechtsprechung durchzuarbeiten, andererseits konnte man so auch unterwegs juristische Fälle durchdenken.
Gibt es umgekehrt etwas, von dem du unbedingt abraten würdest? Oder vielleicht irgendwelche Standard-Tipps, die für dich gar nicht funktioniert haben?
Insgesamt wird Rechtsprechung für das erste Examen meines Erachtens überbewertet. Natürlich sollte man die großen aktuellen Fragen mitbekommen und eine Idee haben, wie man damit in der Klausur umgeht. Man muss aber nicht jedes BGH- oder BVerfG-Urteil kennen. Ich kannte in einer Klausur im öffentlichen Recht den Stadionverbotsbeschluss nicht, auf dem die ganze Klausur basierte. Letztlich war das trotzdem meine beste Klausur im Examen. Lasst euch also nicht von solchen Aussagen verunsichern wie: "Wenn man Entscheidung XY nicht kannte, dann konnte man das ja gar nicht bestehen!"
Was war für dich das Schwierigste an der Examensvorbereitung?
Das Schwierigste war auf jeden Fall die Ungewissheit darüber, wie es am Ende ausgehen wird und ob sich die ganze Arbeit lohnen wird. Dabei die Motivation zu behalten, insbesondere wenn mal ne schlechte Note kommt, ist wirklich schwierig.
Worauf kam es aus deiner Sicht im Examen letztlich besonders an?
Auf das sichere Beherrschen der Grundlagen in allen Rechtsgebieten und das strukturierte Lösen von Problemen mit diesen Grundlagen unter ausführlicher Auswertung des Sachverhalts. Bei der ersten Klausur hatte ich wie gesagt keinen richtigen Plan und habe mit dem "Handwerkszeug" getan, was ich konnte. Im entsprechenden Votum stand letztlich auch, dass zwar Lücken ersichtlich sind, die Klausur aber aufgrund der strukturierten und konsequenten Lösung dennoch als vollbefriedigend zu bewerten ist. Die erwähnte Sachenrechtsklausur mit bekannten Problematiken lief zwar um einen Punkt besser, aber das war nur ein Glückstreffer und es würde keinen Sinn machen, jede Einzelkonstellation zu lernen und auf diese im Examen zu hoffen. Letztlich ist ein breit gefächertes Wissen mit gutem Systemverständnis viel mehr wert als das tausendste auswendig gelernte Problem, das nur stumpf wiedergegeben werden kann.
Was steht als nächstes an und wird Anki dabei auch eine Rolle spielen?
Ich habe mittlerweile mein Referendariat in Berlin begonnen und bin natürlich wieder dabei, hierfür die Basiskarten zu nutzen!
Simon, vielen Dank für das Interview!
Epilog: Das Interview wurde noch während des Refs erstellt. Vor kurzem hat Simon aber auch das zweite Examen erfolgreich bestanden – auch dazu herzlichen Glückwunsch! 🎉
👉 Tipp: Hier geht's weiter zum letzten Examensinterview mit Tom. Für allgemeines Feedback zu den Basiskarten klick hier. Den letzten Blogeintrag findet ihr hier.

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