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Wie lief's im Examen, Tom?

Ein mutmachendes Interview, das schon längst hätte veröffentlicht sein sollen (mea culpa!). Es enthält einige wertvolle Tipps und zeigt, dass eine Examensvorbereitung nicht perfekt sein muss, um am Ende erfolgreich zu sein. Tom, dir noch einmal herzlichen Glückwunsch zum wohl verdienten Prädikat und euch viel Freude beim Lesen!

Hallo, Tom! Wie ist es gelaufen?

 

Ich bin sehr zufrieden, da ich im staatlichen Teil, trotz einer extrem schlechten Klausur (1,5 Punkte im Schnitt), auf 9,0 Punkte gekommen bin. Mit dem Schwerpunkt sind es insgesamt 9,76.

 

In welchem Semester bist du ins Examen gegangen? Wie lang war deine Examensvorbereitung insgesamt? Hast du abgeschichtet?

 

Ich bin im 12. Semester ins Examen gegangen. Dank der Covid-Regelung zählte der Versuch auch noch als Freischuss. Meine Examensvorbereitung ging ca. 1 ¾ Jahre. Abschichten war bei uns nicht möglich.

 

Wie fandest du die Klausuren? Wie war dein Gefühl danach?

 

Die Klausuren waren in Ordnung. Wir hatten immer sehr umfangreiche Bearbeiterhinweise (unbedingt zuerst lesen!), die viele Paragraphen ausgeschlossen haben. Es waren weniger "Autobahnklausuren". Es ging eher darum auf den richtigen Lösungsweg zu kommen und dabei nicht zu kompliziert zu denken. Gerade im Zivilrecht waren die Nebengebiete mit Erbrecht und zweimal Gesellschafts- und Handelsrecht stark repräsentiert. Unterm Strich habe ich die Klausuren als fair wahrgenommen.

  

Wie würdest du deinen Wissensstand zu Beginn der Examensvorbereitung einschätzen?

 

Im Öffentlichen Recht war ich recht fit, aber insbesondere im Zivilrecht hatte ich eklatante Lücken. Da ich im Hauptstudium eher weniger für die Uni gemacht habe, wusste ich aber von Anfang an, dass ich da Nachholbedarf habe.

 

Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?

 

Ich habe tatsächlich lange gebraucht, bis ich "meine" Lernstrategie gefunden habe. Zunächst war ich ein Jahr lang in einem kommerziellen Repetitorium. Zu dem Zeitpunkt kannte ich zwar Anki, aber nicht die Basiskarten. Mein damaliger Plan war es, die Einheiten nachzubereiten und eigene Karteikarten in Anki einzupflegen.

 

Ich hatte damit aber Schwierigkeiten, da ich zum einen zu undiszipliniert nachgearbeitet hatte und zum anderen die eigenen Ankikarten völlig mit Informationen überfrachtet habe. Dementsprechend hat das Auswendiglernen schnell zu Frustration geführt.

 

Auf die Basiskarten bin ich dann ca. 6 Monate vor dem Examen gestoßen. Parallel habe ich versucht, den wöchentlichen Klausurenkurs der Uni mitzuschreiben, zeitweise hatte ich on top noch einen kommerziellen Klausurenkurs gebucht.

  

Wie bist du auf die Basiskarten aufmerksam geworden?

  

Ich kannte Anki schon länger, da es mir von Freunden empfohlen worden ist, die Medizin studiert haben. Nachdem ich Probleme mit meinen eigenen Karten hatte, habe ich angefangen zu recherchieren und bin zügig auf die Basiskarten gestoßen. Anfangs wollte ich mir nur das Strafrecht-Paket kaufen, bin dann aber sehr schnell auf das Gesamtpaket umgestiegen.

 

Was unterscheidet die Basiskarten deiner Meinung nach von anderen Lernmitteln?

  

Ich muss hier wirklich eine Lanze für die Basiskarten brechen. Sie vermitteln alle Grundlagen, die man für das Examen braucht. Gleichzeitig gelingt es ihnen den Anwender nicht mit Wissen zu überfrachten. Zudem ist die Spaced Repetition-Methode von Anki ziemlich hilfreich für Jura. Letztendlich muss man viel Wissen "auf einen Schlag" parat haben. Genau hierbei helfen die Basiskarten.

  

In welchem Bereich haben dir die Basiskarten am meisten geholfen?

  

In allen Rechtsgebieten die Grundlagen schnell zu verinnerlichen und eine Routine zu entwickeln. Ich würde stark davon abraten auf Lücke zu lernen. Vielmehr sollte man in jedem Bereich grobe Grundlagen beherrschen und darauf mit Systemverständnis aufbauen.

 

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass es mir im Examen sehr geholfen hat, dass ich jeden Tag auch jedes Rechtsgebiet bearbeitet habe.

  

Wie bist du mit neuen Stapeln umgegangen? Wie viele Karten hast du pro Tag neu gelernt?

 

Ich hatte ca. 6 Monate Zeit, um die Karten zu lernen. Angefangen habe ich mit ca. 50-60 Karten pro Tag. Die habe ich aber schnell auf ca. 80- erhöht. In den letzten Monaten waren es dann vereinzelt auch deutlich mehr, da ich noch eigene Stapel zu Staatshaftungs-, Kommunal-, Polizei-, Arbeits- sowie Gesellschafts- und Handelsrecht gelernt habe.

 

Gerade zu Ende wurden das natürlich eine Menge Wiederholungen pro Tag und es blieb teilweise wenig Zeit für andere Sachen.

 

Es ist also möglich, aber ich würde jedem empfehlen so früh wie möglich mit den Basiskarten anzufangen, um hinten raus keinen Druck zu verspüren. Dann kann man sich noch auf andere Dinge konzentrieren.

 

Hast du irgendwelche besonderen Tipps zum Lernen der Basiskarten oder dem Umgang mit Anki? 

 

Macht euch ein bisschen mit Anki und seinen Funktionen vertraut. Es gibt zum Beispiel die Funktion, (demnächst) fällige Karten im Voraus zu wiederholen. Das habe ich präventiv gemacht, wenn mich sonst irgendein Termin am Lernen gehindert hätte.

 

Ergänzt die Karten ggf. mit eigenen Hinweisen oder Eselsbrücken. Wenn ihr weitere Karten erstellt, nutzt unbedingt die Jura-Vorlagen von Thomas. 

 

Dann würde ich dazu raten jeden Tag zumindest die fälligen Karten in Anki zu bearbeiten. Andernfalls können sich die Karten schnell stauen.

 

Je früher man mit den Basiskarten anfängt, desto geringer ist der Aufwand pro Tag.

 

Außerdem kann ich empfehlen Anki auf allen Endgeräten zu installieren. Dadurch konnte ich Wartezeiten wie z.B. beim Arzt überbrücken oder in den Öffis lernen. Gerade wenn man viel Zeit am Handy verbringt (Instagram etc.), ist es ein Gamechanger, wenn man die Zeit in Anki investiert.

 

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet?

 

Wie bereits angesprochen, habe ich länger gebraucht, um den Weg zu finden, der zu mir passt. Dementsprechend gab es nicht den einen typischen Tag. Eher verschiedene Phasen. Ich war zunächst im Rep, hatte zwischenzeitlich eine Lerngruppe, habe mal den Fokus auf Klausuren schreiben gelegt (schließlich hört man das immer wieder) und bin erst spät auf die Basiskarten gestoßen. 

 

Ein typischer Anki-Tag hat bei mir um spätestens 09.00 Uhr gestartet. Ich habe mir die Karten immer nach den drei Rechtsgebieten aufgeteilt und zwischen den einzelnen Gebieten Pausen eingelegt. Im Schnitt bin ich wahrscheinlich 4 mal pro Woche in die Bib gegangen. Anfangs sehr oft, gegen Ende eher weniger. Sofern der Klausurenkurs stattgefunden hat, habe ich zuerst die Klausur geschrieben und anschließend Anki gemacht.

 

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?

 

Ich habe vermutlich um die 35 Klausuren ausgeschrieben und mich bei diversen nur auf die Lösungsskizze beschränkt. In dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass es wenig Sinn macht, Klausuren mit zu großen Lücken zu schreiben. Man eiert oftmals nur herum und gibt keine zufriedenstellende Lösung ab.

 

Leider bin ich erst kurz vor dem Examen mit den Basiskarten fertig geworden, sodass mir oftmals Stoff gefehlt hat. Das werde ich im zweiten Examen defintiv anders angehen.

 

Gibt es sonst noch Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?

 

Sich mit der Klausurbearbeitung zu beschäftigen. Zu dem Thema gibt es ein gutes Video von Jura Online (Das Geheimnis der perfekten Klausur). Dort werden typische Fehler der Prüflinge erklärt, die z.B. auf eine nicht fertiggestelle Lösungsskizze zurückzuführen sind oder eine falsche Sachverhaltserfassung. Ich habe das Video leider erst sehr spät entdeckt, mich im Examen aber streng an die Hinweise gehalten.

 

Gibt es umgekehrt etwas, von dem du unbedingt abraten würdest? Oder vielleicht irgendwelche Standard-Tipps, die für dich gar nicht funktioniert haben?

  

Zum einen sollte man sich nicht mit anderen vergleichen. Es gibt kein Patentrezept für ein gutes Examen. Ich denke es ist wichtig zu schauen, womit man selbst am besten zurecht kommt. Und das kann wirklich sehr unterschiedlich sein.

 

Zum anderen sollte man sich nicht selbst belügen. Jeder weiß selbst am besten, wie effektiv man gelernt hat. Man sollte aufpassen sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen, indem man beispielsweise lediglich Zeit in der Bib absitzt und sich dadurch besser fühlt.

  

Zudem hätte ich rückblickend kein kommerzielles Rep besucht. Es war zwar eine schöne Zeit mit coolen Leuten, aber lerntechnisch für mich wenig effektiv. Ich hätte mir lieber für einen Bruchteil des Geldes Skripte gekauft und die Basiskarten selbst ergänzt.

  

Was war für dich das Schwierigste an der Examensvorbereitung?

  

Aus dem Hauptstudium war ich es eher gewohnt zu prokrastinieren und das Lernen aufzuschieben. Für die Examensvorbereitung musste ich dieses Verhalten um 180 Grad ändern. Diese Disziplin musste ich mir erst erarbeiten.

  

Worauf kam es aus deiner Sicht im Examen letztlich besonders an?

  

Die Basics aus dem Effeff zu können und darüber hinaus mit juristischem Verständnis und der Methodenlehre zu punkten.

  

Wenn du in der Zeit zurück zu deinem ersten Semester reisen könntest, welche Tipps würdest du deinem früheren Ich mitgeben?

  

Im Nachhinein lässt es sich sehr leicht sagen, dass man einfach von Anfang an zielstrebig lernen sollte. Ohne jeden Zweifel hätten mir die Basiskarten und Anki aber im Studium enorm geholfen. Es wäre mir viel leichter gefallen den Stoff nachzubereiten und permanent am Ball zu bleiben.

Gerade in der Examensvorbereitung hätte ich davon profitieren und den Fokus auf das Feintuning setzen können, anstatt die Lücken aufzufüllen. In dem Fall wäre sicherlich noch Luft nach oben gewesen.

  

Was steht als nächstes an und wird Anki dabei auch eine Rolle spielen?

  

Ich werde bald mit dem Referendariat starten und weiterhin mit Anki lernen. Diesmal aber etwas strukturierter :D

  

Tom, vielen Dank für das Interview!

👉 Tipp: Hier geht's weiter zum letzten Examensbericht von O.P. Für allgemeines Feedback zu den Basiskarten klick hier.

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Kommentare: 1
  • #1

    A. O. (Samstag, 07 März 2026 11:31)

    Glückwunsch zum bestandenen Examen. Wie immer sehr nett zu lesen und informativ (das Video werde ich mir gleich mal anschauen).

    Gerne mehr Interviews :D