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Wie lief's im ZWEITEN Examen, Ole?

Wer sich fragt, wie es sein kann, dass schon wieder ein Ole im Basiskarten-Blog über sein grandioses Examen berichtet, den kann ich beruhigen: Das ist keine statistische Anomalie, sondern dieselbe Person! Ich freue mich, euch heute meinen Austausch mit Ole über sein zweites Staatsexamen präsentieren zu können. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo, Ole! Willkommen zurück! 😊 Wie ist es gelaufen?

 

Hallo Thomas, es ist wieder gut gelaufen – am Ende sind 10,38 Punkte für mich herausgesprungen.

Wie fandest du das Referendariat? Hattest du am Ende genug Zeit für die Examensvorbereitung?


Es gab Höhen und Tiefen – vieles hängt von den Ausbildern ab. In mehreren Stationen hatte ich Glück und habe viel von ihnen gelernt.

 

Genug Zeit hatte ich schon. Ich habe in der ersten Station angefangen zu lernen und mich in den letzten drei Monaten intensiv auf die Klausuren vorbereitet. Man munkelt, dass viele Kanzleien ihren Referendaren erlauben, eine Zeit lang zu tauchen.

 

Was war schwerer: Das erste oder das zweite Staatsexamen?

 

Von den Klausuren her das zweite. Es sind wirklich viele Klausurentypen, auf die man sich parallel vorbereitet; und die Stoffmenge ist größer, weil zu dem Stoff aus dem ersten Examen noch das prozessuale Wissen hinzukommt. Andererseits hat man das erste Examen ja schon, das heißt, die Fallhöhe ist geringer.

 

Hattest du nach den Klausuren ein gutes Gefühl?

 

Nein, der Zeitdruck war hoch und bei mehreren Klausuren sind mir beim Schreiben gröbere Fehler in meiner Lösung aufgefallen – einmal habe ich Ansprüche gegen die falsche Person geprüft, einmal habe ich in der Anwaltsklausur im praktischen Teil einen Schriftsatz entworfen, der nicht zu meinem Gutachten passte. Es war dann alles nicht so schlimm (auch mit zweimal ausreichend schafft man das Prädikat noch). Aber da musste ich wirklich die Zähne zusammenbeißen, um am nächsten Morgen wieder zuversichtlich an die neue Klausur heranzugehen.


Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?


Ich habe von Anfang an viele Klausuren geschrieben. In Lübeck gibt es einen eigenen Klausurenkurs für Anfänger; aber auch an anderen Landgerichten kann man mit den Klausurtypen anfangen, die man schon lösen kann. Die Übung braucht man, damit man am Ende nicht mehr über Formalitäten nachdenken muss.

 

Die kommerziellen Reps und Seminare und ihre jeweiligen Skripten fand ich nicht so hilfreich. Meine private Lerngruppe, die regelmäßig Klausurfälle durchgesprochen hat, hat hingegen viel gebracht.

 

An Büchern fand ich nützlich: Zwangsvollstreckungsrecht von Lackmann; das ZPO-Fallrepetitorium von Zimmermann; Prüfungsschwerpunkte im materiellen Strafrecht von Ledermann, Ledermann und Hannamann; das Fallrepetitorium Allgemeines Verwaltungsrecht mit VwGO von Schmidt; und die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur von Russack. Den Anders/Gehle habe ich immer wieder zu bestimmten Themen zu Rate gezogen.

 

Daneben habe ich viel in Kommentaren gelesen. Gerade im Zivilrecht finde ich den MüKo und den Staudinger gut, um die Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen. Die helfen einem, das viele Einzelwissen einzusortieren und zu behalten. Für die Probeklausuren sollte man aber von Anfang an nur die Kommentare benutzen, die im Examen zugelassen sind. Gerade im Palandt muss man sich erst einmal zurechtfinden, da stehen manche Dinge nicht da, wo man sie erwartet.


Was macht aus deiner Sicht gute Karteikarten aus?


Dass sie den Lernstoff in leicht verdauliche Happen unterteilen. Dafür schätzen wir alle die Basiskarten, die ich auch für das zweite Examen benutzt habe. Für die Bereiche, die dadurch nicht abgedeckt sind, habe ich mir mit den Jura-Vorlagen diesmal viele eigene Karteikarten erstellt und mich dabei von der Stoffmenge her an den Basiskarten orientiert.

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet? Ging das gut neben AG und Stationsarbeit?

Ich habe erst sechs Tage die Woche gearbeitet, in den letzten Monaten vor den Klausuren habe ich es dann auf fünf heruntergefahren. Diesmal war es schwieriger, konsequent einen Lernplan durchzuziehen, weil der Arbeitsanfall in den Stationen schwer vorherzusehen war. Entsprechend sah jede Woche bei mir anders aus. Ein bis zwei Tage habe ich zum Lernen genutzt, das ging auch neben dem anderen. Meine Karteikarten bin ich jeden Tag abends als Tagesabschluss durchgegangen.

 

In den letzten Monaten vor den Klausuren sah mein typischer Lerntag so aus (wenn es kein Klausurtag war): Ich lese morgens einen Artikel in der JA. Dabei merke ich, dass ich über ein Thema nicht genug weiß, und lese deshalb im Kommentar den Abschnitt dazu. Dabei stoße ich auf weitere Fragen und lese ein Weile weiter. Dann rufe ich meine Lernpartnerin an und rede mit ihr über meine neuen Erkenntnisse. Später lese ich dann endlich in dem Lehrbuch, das ich für diesen Tag eingeplant habe. Wenn der Tag bis dahin gut gelaufen ist, löse ich anschließend noch ein paar Fälle und schreibe alles, was ich noch nicht weiß, auf Anki-Karteikarten. Wenn sich meine Lernzeit dem Ende zuneigt, setze ich mich zum Schluss noch an Anki und gehe mein Deck durch.

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben und wo? (AG / Fernklausurenkurs etc.)

Im Nachhinein waren die Klausuren aus den AGs und dem Klausurenkurs des Landgerichts am examensnächsten. Lehrreich waren aber auch die Klausuren von Kaiser, vor allem deren Lösungsskizzen sind gut (die individuelle Korrektur nicht ganz so). Alle Quellen zusammengenommen müssen es etwa 60-80 Klausuren gewesen sein, die ich geschrieben habe – zuerst eine, später zwei pro Woche.

Gibt es irgendwelche Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?

 

Der Stil macht viel aus. Im zweiten Examen punktet man, wenn man den Korrektoren das Gefühl gibt, man sei einer von ihnen. Mir hat "Spitzenklausuren im Assessorexamen – Sprachliche Strukturen und Grundlagen der Klausurtechnik" von Metz geholfen, die Gedankenstruktur und die Sprache von guten Juristen nachzuahmen.

Gibt es umgekehrt etwas, das du im Nachhinein anders machen würdest?

 

Mehr Zeit für Freunde und Hobbys nehmen – man kann eh nicht jedes Detail im Kopf behalten. Und die Examensvorbereitung ist ein Marathon, da braucht man einen gesunden Ausgleich zu der Lernerei.

 

Worauf kam es aus deiner Sicht letztlich besonders im Examen an?

 

Starke Nerven – damit man zwischen den Klausuren nicht den Mut verliert und während der Klausuren konzentriert bleibt.

 

 


Ole, vielen Dank für das Interview!

👉 Tipp: Hier geht's weiter zu meinem letzten Interview mit Lukas. Mein erstes Interview mit Ole findet ihr hier. Für allgemeines Feedback zu den Basiskarten klick hier.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Jimi (Samstag, 07 November 2020 10:57)

    Gutes Interview, vielen Dank dafür! Ich finde es immer sehr interessant zu sehen, wenn Leute genauere Einblicke in ihren Lernrhythmus erlauben und dabei nicht beschönigen (oder aber auch ihre Arbeitszeiten herunterspielen) – und zum zweiten Examen gab es ja bisher leider noch wenig.

    Ich wünschte, Ole hätte noch ein bisschen mehr zu Anki erzählt – ob er es immer noch so viel nutzt (ist es im zweiten Examen genauso sinnvoll wie im ersten?), wie viele Karten er erstellt hat (evtl. auch untergliedert nach Fächern oder Bereichen), wie viele Karten des ersten Examens er pausiert hat, etc.

  • #2

    Ole (Dienstag, 17 November 2020 23:03)

    Mit Anki habe ich weiter jeden Tag gelernt und auch keine Karte des ersten Examens pausiert. Die Abstände waren inzwischen so groß geworden, dass es nicht zu viele Wiederholungen pro Tag waren. Wie viele Karten ich erstellt habe, weiß ich nicht; ich habe sie aber auf jeden Fall nach Klausurtypen gegliedert. Es waren schon einige und Anki lohnt sich im zweiten Examen aus meiner Sicht auch genau so wie im ersten