Wie lief's im Examen, Ole?

Ole Stegelmann hat 2017 sein erstes Staatsexamen in Münster gemacht und dafür auch mit den Basiskarten gelernt. Wie es bei ihm geklappt hat und wie genau er sich auf das Staatsexamen vorbereitet hat, erzählt er euch im Interview.

 

Hallo, Ole! Wie ist es gelaufen?


Moin Thomas, das Lernen hat sich gelohnt: Am Ende habe ich es auf ein Gut geschafft. Und das, nachdem ich im Grundstudium zwischen ausreichenden und befriedigenden Noten geschwankt hatte. 

Wie lange hast du dich insgesamt auf dein erstes Staatsexamen vorbereitet?

Von den ersten Vorbereitungen bis zu den Klausuren waren es anderthalb Jahre, für die Mündliche kamen noch vier Monate dazu.

Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?

 

Ich habe das Unirep in Münster besucht. Dazu habe ich teilweise meine Lehrbücher aus dem Grundstudium gelesen, teilweise die Online-Lektionen, die das Unirep zur Verfügung stellt. Dabei habe ich viele Dinge zum ersten Mal verstanden, mich aber auch direkt mit dem Problem konfrontiert gesehen, dass ich mir nicht so viel davon merken konnte.
Parallel habe ich mich von Anfang an einmal die Woche mit drei Mitstreitern getroffen und Examensfälle gelöst. Im zweiten Halbjahr habe ich angefangen, die Klausuren des Unirep-Klausurenkurses mitzuschreiben, zuerst sporadisch, zum Ende hin zweimal die Woche.

Den dritten Teil neben Erarbeitung und Anwendung des Stoffs hat die Wiederholung ausgemacht. Rückblickend hätte ich damit gleich zu Beginn des Reps anfangen sollen. So richtig habe ich es dann erst nach den letzten Vorlesungen gemacht, also im letzten Halbjahr meiner Examensvorbereitung. Ausschlaggebend war das Probeexamen, aus dem ich im Schnitt mit einem Ausreichend herausgegangen bin. Da habe ich mir gedacht, dass ich grundlegend etwas ändern muss, wenn das echte Examen nicht genau so ausgehen soll. Zu diesem Zeitpunkt bin ich auf die Basiskarten und das dahinterstehende Konzept gestoßen.

Das letzte halbe Jahr habe ich dann mein Lernen zweigeteilt: zum einen bin ich die Fälle aus den Unirep-Vorlesungen nochmal durchgegangen; zum anderen habe ich mit den Basiskarten und noch anderen Karteikarten die Basics wiederholt. AG und Klausurenkurs liefen daneben weiter.

Was unterscheidet die Basiskarten deiner Meinung nach von anderen Lernmitteln?

 

Vor allem zwei Punkte: Erstens ist die Stoffmenge insgesamt genau richtig. Bei den Karteikarten und Skripten der großen Repetitoren hatte ich das Problem, dass entweder zu viel Spezielles drauf-/drinstand oder sie nicht vollständig waren. Und zweitens ist der Stoff gut portioniert. Die Basiskarten sind durchgehend im Frage-Antwort-Stil gehalten und auf jeder Karte steht ein abgegrenzter Inhalt. Dadurch braucht man pro Karte nicht so lange (gut für die Motivation) und man wiederholt langfristig nur das, was man sich noch nicht gemerkt hat (ebenfalls gut für die Motivation).

Dazu kommt noch, dass die Karten schon im Dateiformat für Anki daherkommen. Man muss sie also nur downloaden und kann direkt loslernen (gut für Leute wie mich, die erst spät mit der Wiederholung anfangen und nicht mehr so viel Zeit haben), mit allen Funktionen, die Anki so mitbringt.

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet?

Im ersten Jahr habe ich mir von Montag bis Freitag den Vormittag über Unirep-Vorlesungen angehört. Nachmittags bin ich in der Bib den neuen Stoff nochmal durchgegangen und habe dazu Lehrbücher gelesen. Für die AG haben wir uns abends nach dem Lernen getroffen, die Klausuren fanden immer am Mittwochnachmittag und Samstagmorgen statt. Die Sonntage habe ich mir durchgehend freigehalten.
Im dritten Halbjahr habe ich dann immer vormittags in der Bib mit Fällen und nachmittags zu Hause mit Fällen und Karteikarten gelernt. Am Wochenende habe ich gar nicht mehr gelernt, wobei am Samstag ja weiterhin die Klausuren stattfanden. So als zeitliche Orientierung – in dieser Zeit habe ich morgens zwischen neun und zehn angefangen und um 18:00 Uhr die Lernsachen weggelegt.

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?

Das kann ich genau sagen, weil ich mir zu jeder Klausur aufgeschrieben habe, was gut geklappt hat und was ich verbessern musste. Inklusive Probeexamen waren es 42, davon 20 im Zivilrecht, 13 im Öffentlichen Recht und 9 im Strafrecht.

Hast du einen bestimmten Tipp für andere? Was würdest du jemandem raten, der gerade mit seiner Examensvorbereitung beginnt?

Erstellt Pläne – einen für die ganze Vorbereitungszeit, in den ihr eintragt, wann ihr welches Rechtsgebiet durchgearbeitet haben wollt; und einen für die Woche, in dem ihr die Rechtsgebiete auf verschiedene Tage aufteilt (am besten an die Rep-Kurse angepasst). Man fühlt sich einfach sicherer, wenn man einen Punkt nach dem anderen abhaken kann, und am Ende weiß, dass man alles Wichtige gelernt hat. Und der Wochenplan sorgt dafür, dass man genug Abwechslung bekommt, denn sonst wird das Lernen schnell eintönig. Umgekehrt kommt man dann auch regelmäßig an den Punkt, dass man sein Pensum abgearbeitet hat und ruhigen Gewissens Feierabend machen kann.

Und sucht euch eine Lerngruppe, das ist das Allerwichtigste. Einmal, um sich selbst zu verpflichten, und einmal, damit man sich gegenseitig motivieren kann.

Zum Schluss noch eins, was man bei aller Effizienz nicht aus dem Blick verlieren sollte – den Spaß bei der Sache. Wenn euch beim Lernen mal etwas wirklich Interessantes begegnet, lest mehr dazu und macht euch Gedanken. Bei manchen Meinungsstreiten fragt man sich wirklich, ob das nicht nur Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Wissenschaftler sind – aber bei anderen stecken richtig spannende Grundsatzfragen dahinter.  

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Ole Stegelmann hat Jura an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster studiert. Zurzeit absolviert er sein Referendariat am Landgericht Lübeck.

 

Hast du dich auch mit den Basiskarten auf dein Staatsexamen vorbereitet? Dann schreib mir und erzähl uns, wie es gelaufen ist!

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