Aufbauschemata auswendig lernen - Der ultimative Guide

Wer die richtigen Prüfungsschemata beherrscht, hat in Klausuren oft riesige Vorteile. Dumm nur, dass ausgerechnet Prüfungsschemata und Listen die einzige Art von Wissen sind, die sich selbst mit Anki und den Jura-Vorlagen nur schwer in den Griff bekommen lässt. Wie es euch dennoch gelingt, diese nützlichen Hilfsmittel auswendig zu lernen, erfahrt ihr in diesem Beitrag. (Und nur damit wir uns richtig verstehen: Mit „auswendig lernen“ meine ich: „das Schema sofort wie aus der Pistole geschossen aufsagen können, selbst wenn man nachts um drei aus dem Bett geworfen wird“!)

Die Vorteile

So wie ich das sehe, hat es mindestens drei Vorteile, Prüfungsschemata wirklich auswendig zu können (anstatt sie sich erst während der Klausur spontan aus dem Gesetz abzuleiten):

Ich übersehe keine wichtigen Prüfungsschritte und vermeide Aufbaufehler, weil ich weiß, was ich in welcher Reihenfolge zu prüfen habe. Tatbestandsmerkmale und Aufbau ergeben sich oft nicht ohne weiteres aus dem Gesetz.

Ich bin schneller, weil ich nicht darüber nachdenken muss, was ich zu tun habe. Selbst wenn es mir gelingt, in der Klausur spontan das richtige Prüfungsschema aus dem Gesetz heraus zu entwickeln, verliere ich dadurch Zeit.

Unbekannte Probleme bekomme ich besser in den Griff, denn wenn ich immerhin sofort weiß, an welchen Stellen ich ein Problem theoretisch erörtern kann, ist es leicht, die günstigste dafür auszuwählen.

Das Problem

Klingt alles ganz super, oder? An sich ja. Nur ist es leider verdammt schwer, sich irgendwelche abstrakten Schemata einzupauken, die regelmäßig aus 3 bis 8 unzusammenhängenden Punkten bestehen. Jeder, der das einmal mit Anki (oder einfach durch ständige eigene Wiederholung) versucht hat, weiß, wovon ich rede: Es wird einfach zu viel zu wenig verknüpftes Wissen auf einmal abgefragt, um solche Schemata über längere Strecken zu behalten.

Lösungsansätze

Also was tun?

  • Akronyme aus den Anfangsbuchstaben bilden? (PASTA, SAPUZ)
  • Merksätze erfinden? ("Viel Quatsch schreibt der Bearbeiter.")
  • Reimen? ("Ist das Kind auch noch so klein, so kann es trotzdem Bote sein.")
  • Merkgeschichten ausdenken? (Hochzeitsnachtformel)
  • Gedächtnisrouten anlegen oder Gedächtnispaläste vollstopfen?

Alle diese Ansätze sind möglich, stellen aus meiner Sicht aber keine Universallösungen dar, da sie z.B. passende Anfangsbuchstaben voraussetzen (Es ist kein Gewinn, sich anstatt der einzelnen Zulässigkeitsvoraussetzungen der Verfassungsbeschwerde das Buchstabenungetüm "ZZBPGBESFF" zu merken) oder schlicht zu viel Aufwand erfordern, um dauernd verwendet zu werden (Man versuche einmal für Begriffe wie Zuständigkeit, Beschwerdeberechtigung, Beschwerdebefugnis etc. passende und unverwechselbare Gedächtnisbilder zu finden).

Die Lösung

Die beste Lösung dieses Problems stammt aus meiner Sicht von Richard Grey, einem englischen Geistlichen. 1730 schlug dieser in seiner mnemotechnischen Abhandlung Memoria Technica vor, kodierte Merkwörter zu bilden, um sich (unter anderem) Jahreszahlen einzuprägen. Leicht abgewandelt kann diese Methode auf jede Art von Listen-Wissen angewandt werden, d.h. auch auf juristische Aufbauschemata. Das will ich nachfolgend anhand des Prüfungsschemas "Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter" demonstrieren. Das Schema beinhaltet vier Prüfungspunkte:

  1. Leistungsnähe zwischen dem Schuldner und dem Dritten
  2. Interesse des Gläubigers an der Einbeziehung des Dritten
  3. Erkennbarkeit der Einbeziehung des Dritten für den Schuldner
  4. Bedürftigkeit des Dritten

Anstatt das Schema nun direkt auswendig zu lernen, merke ich mir dazu einfach ein Fantasiewort. Zu dem obigen Beispiel etwa "SchutzwirkNähInErkBed". Dieses wiederhole ich dann so lange laut, bis das verdammte Ding halbwegs in meinem Kopf bleibt. Anschließend gebe ich es in Anki ein. (Am besten in das Feld "Merkhilfe" der Jura-Vorlage "Rechtsfrage"!)

 

Wenn ich nun die einzelnen Prüfungspunkte wiedergeben will, rufe ich mir zunächst dieses Merkwort in Erinnerung und extrahiere daraus Stück für Stück die einzelnen Prüfungspunkte, deren Anfangssilben ja bereits in dem Merkwort enthalten sind. Mein interner Gedankenmonolog verläuft dabei ungefähr so: "Was waren nochmal die Voraussetzungen des Vertrags mit Schutzwirkung zugunsten Dritter? Das Merkwort war SchutzwirkNähInErkBed ... Wofür steht das Näh nochmal? Achja, Leistungsnähe zwischen dem Schuldner und dem Dritten! ... Dann kam das In ... Was sollte das nochmal bedeuten? ... Stimmt! Interesse des Gläubigers an der Einbeziehung des Dritten!" Usw. Dieses Vorgehen erleichtert den Erinnerungsvorgang ungemein.

 

Die Merkwörter werden dabei stets nach demselben Rezept hergestellt. Sie bestehen immer aus einem Namensteil (Schutzwirk...) und einem Erinnerungsteil (...NähInErkBed). Der Anspruch besteht dabei darin, solche Wortsilben oder -teile zu verwenden, die zum einen klar auf den jeweiligen Prüfungspunkt verweisen und sich zum anderen zu einem organischen, der eigenen Sprache möglichst ähnlichen Fantasiewort verweben lassen.

 

Klingt das bescheuert? Ja. Funktioniert es hervorragend? Ebenfalls ja. Und warum genau ist diese Technik jetzt allen anderen überlegen? Schön, dass du fragst. Ich würde sagen, aus drei Gründen:

Wenn man die Merkwörter drauf hat, fällt einem die Wiedergabe der Prüfungsschemata wirklich leicht – sogar in Drucksituationen wie mündlichen Prüfungen. Viele Menschen sind beeindruckt, wenn man aus dem Kopf irgendwelche Schemata runterrasseln kann. Dabei ist das mit dieser Technik überhaupt kein Problem.

Es ist extrem einfach, neue Merkwörter zu bilden. Wesentlich einfacher jedenfalls, als sich passende Gedächtnisbilder für ähnliche Begriffe wie "Zuständigkeit", "Beschwerdeberechtigung" oder "Beschwerdebefugnis" zu überlegen. Zwar sind Merkwörter wie "SchutzwirkNähInErkBed" bei weitem nicht so eingängig wie irgendwelche Mnemo-Geschichten. Aber wer die ein paar Mal laut vor sich hersagt und anschließend mit Anki wiederholt, wird sie sich trotzdem so schnell einprägen wie die Vokabeln einer merkwürdigen dadaistischen Fremdsprache.

Egal wie viele Merkwörter man bildet, ihre Zuordnung zu einem bestimmten Schema bleibt stets völlig unproblematisch: Beginnt man im Geist mit dem Namensteil (Vertrag mit Schutzwirk…), ergänzt das Gedächtnis die folgenden Silben (…NähInErkBed) ganz von selbst. Diese klare Zuordbarkeit ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Techniken.

Ich denke deshalb, dass diese Technik die Standard-Lösung für das Problem des Auswendiglernens von Aufbauschemata darstellen sollte. Wenn nicht bereits andere brauchbare Merkhilfen existieren, könnt ihr darauf zurückgreifen, um so selbst komplexe Prüfungsschemata in den Griff zu bekommen.


Und jetzt sprecht mir alle nach: Jolifanto bambla ô falli bambla...

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Kommentare: 2
  • #1

    Lea (Freitag, 15 April 2016 09:04)

    Hallo super idee vielen dank ;)

  • #2

    Zurechtweiser (Freitag, 15 Juli 2016 03:59)

    Eine sehr gute Idee.