So gehst du mit schlechten Klausurergebnissen um!

Examensvorbereitung – Du strengst dich so an wie noch nie in deinem Leben. Deine Samstagvormittage verbringst du nicht mehr beim Brunch mit deinen BWL-studierenden Freunden, sondern in stickigen Übungsräumen beim Klausurenkurs. Drei Wochen später dann das Ergebnis: Durchgefallen. Was jetzt?

Die Examensvorbereitung stellt für uns Juristen einen absoluten Ausnahmezustand dar. Fast jeder kennt diese Momente, in denen er am liebsten aufgeben möchte, weil das Ziel einfach unerreichbar scheint. Zu wahnsinnig ist die Stoffmenge, zu gering die noch verbleibende Zeit, zu groß das Chaos in deinem Kopf. Falls es dir auch so geht, kann ich dir versichern: Das ist normal. Es ging uns allen so – auch denjenigen, bei denen am Ende ein Prädikat auf dem Zeugnis stand.

 

Warum ist es wichtig, das zu wissen? Weil du dir dann schon einmal keine Gedanken mehr darüber machen musst, ob du vielleicht der Einzige bist, der solche Ängste mit sich herumschleppt. Dass du das tust, bedeutet nicht, dass du es nicht schaffen kannst, dein Studium doch noch so abzuschließen, wie du dir das wünschst.

 

Panik ist kein guter Ratgeber. Atme tief durch, geh einmal um den Block und überleg dann mit klarem Kopf, was du in Zukunft besser machen kannst. Wenn du zurück bist, habe ich ein paar Vorschläge für dich.

1. Lernen mit System

Zunächst brauchst du einen objektiven Maßstab, um zu beurteilen, wie sehr du dein Potential bereits ausschöpfst. Nur dadurch wirst du erfahren, ob dein Misserfolg auf einer suboptimalen Lernstrategie beruht oder du einfach Pech hattest. Denn eine Klausur kann dich immer auf dem falschen Fuß erwischen, auch wenn du dich optimal vorbereit hast. Manchmal liegt man eben daneben, auch wenn man alles richtig gemacht hat. Umso wichtiger ist es deshalb, dass du dich von einer schlechten Note nicht automatisch verunsichern lässt, sondern einen Maßstab hast, anhand dem du deine eigene Lernleistung möglichst nüchtern einschätzen kannst. Ich würde dafür die folgenden drei Fragen vorschlagen:

 

·       Setzt du effektive Techniken und Tools ein, mit denen du den Lernstoff auch wirklich behältst? Oder gehst du davon aus, dass es ausreicht, deine Materialien einmal intensiv durchzuarbeiten und anzustreichen? (Spoiler: Das bringt fast nix.) Stattdessen könntest du zum Beispiel auf intelligente Lernprogramme wie Anki setzen, die automatisch den optimalen Wiederholungszeitpunkt für dich berechnen.

·       Gelingt es dir, dich während des Lernens gut zu konzentrieren? Wenn nicht: Warum nicht? Liegt das an deinem Smartphone? Dass du zu viel auf Instagram unterwegs bist? Zu viele Leute in der ReWi-Bib kennst?

 

·       Schaffst du es, regelmäßig zu lernen oder prokrastinierst du tagelang und schiebst dann panisch Nachtschichten?

Nimm dir etwas Zeit und notier dir Antworten auf diese Fragen. Halte den Zettel auch in der nächsten Woche immer in Reichweite und beobachte dich selbst von außen, so als würdest du dich nicht kennen: Was tust du? Wie gut nutzt du deine Zeit wirklich? Welche Störquellen gibt es?

 

Diese Analyse hilft dir, einzuschätzen, ob du bereits optimal lernst und in der letzten Klausur einfach nur Pech hattest oder ob bei deiner Examensvorbereitung noch Luft nach oben ist und du davon profitieren würdest, wenn du in einigen Bereichen anders vorgingst. Wenn du auf die obigen drei Fragen gute Antworten findest, tust du alles, was du tun kannst, um erfolgreich im Staatsexamen zu sein. Dann kannst du dir guten Gewissens sagen: Ich habe meinen Teil getan; Was jetzt passiert, liegt nicht mehr in meiner Hand. Wie ich die obigen Fragen beantwortet habe, erfährst du übrigens hier (auszugsweise) und wesentlich detaillierter in meiner Lernapotheke für Juristen (für Kindle, als Taschenbuch oder als PDF).

2. Was genau ist in dieser Klausur schief gelaufen?

Als nächstes analysierst du die Fehler, die du in der Klausur gemacht hast. Ja, das ist sehr unangenehm, weil du dich dazu direkt mit deinen Schwächen konfrontieren musst. Aber noch unangenehmer ist es, denselben Fehler später in einer Examensklausur zu wiederholen, weil das nun wirklich vermeidbar ist. Etwas Mut lohnt sich hier also. In meiner eigenen Examensvorbereitung habe ich insgesamt knapp 70 Stunden (Pausen nicht miteingerechnet) damit verbracht, die 30 Klausuren nachzukorrigieren, die ich insgesamt geschrieben habe. Das war sehr gut investierte Zeit.

3. Zeig uns, dass du das aushältst!

Auch auch wenn es absurd klingt: Sieh solche Erlebnisse als Teil des Spiels an. Es gehört bei uns Juristen einfach dazu, auf die Nase zu fallen. Stell dir das vor wie ein Initiationsritual: Jurist zu sein ist fordernd und anspruchsvoll. Auch später im Beruf wirst du Misserfolge habe und bisweilen unter großem Druck stehen. Wir wollen sehen, dass du damit umgehen kannst!

 

Wenn dir das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass es eine Zeit geben wird, in der du auf Erlebnisse wie dieses zurückblickst und mit deinen Freunden darüber lachen kannst, wie wahnsinnig das damals alles war – und dass du es geschafft hast. Also steh auf, klopf dir den Staub von den Schultern und zeig's uns!

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