Wie bereite ich mich optimal auf die Mündliche vor? Der ultimative Guide - und ein Gratis-Stapel!

Die schriftlichen Klausuren liegen endlich hinter dir, du hast dich von dem ganzen Stress schon ein bisschen erholt und überlegst jetzt, wie du dich optimal auf die letzte Hürde deines Studiums vorbereiten sollst: Die mündliche Prüfung. Damit du dort noch einmal alles geben kannst, findest du hier einige wertvolle Tipps, die mir selbst wirklich weitergeholfen haben.

 

Dieser Beitrag ist eine erweiterte Fassung der Ratschläge, die ich zwei Stammkunden vor ihrer mündlichen Prüfung gegeben habe. Beide (!) haben ihr Examen inzwischen mit einem "Gut" abgeschlossen. (Bei einem steht der Schwerpunkt noch aus.) Der andere ist Ole Stegelmann, dessen Interview mit mir ihr hier nachlesen könnt.


Phase 1: Nach den schriftlichen Klausuren

Erst einmal Glückwunsch! Den anstrengendsten Teil des Examens hast du bereits hinter dir. Zwar liegen die Ergebnisse noch in weiter Ferne, doch auch jetzt gilt der Satz: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung!

Nimm dir Zeit, um dich zu erholen, aber setz dir einen festen Tag, an dem du wieder mit dem Lernen beginnst!

Zunächst eine Falle, die es unbedingt zu vermeiden gilt. Sie lässt sich leicht erkennen, aber es ist trotzdem äußerst schwer, nicht wie ein Zombie hineinzulaufen. Die Rede ist natürlich von der Gefahr, das Lernen für deine letzte Prüfung zu lange aufzuschieben. Dieser Impuls ist absolut nachvollziehbar. Wer hat nach all dem Stress mit den schriftlichen Klausuren schon Lust, sich jetzt nochmal aufzuraffen, die Lehrbücher aufzuschlagen und wieder in Jura einzutauchen? Das gilt umso mehr, wenn du weißt, dass dort Berge von fälligen Anki-Karteikarten auf dich warten, die allesamt wiederholt werden wollen.

 

Wie du es schaffst, diese enorme Unlust leichter zu überwinden, liest du im nächsten Schritt. Wichtig ist jetzt erstmal, dass du dir überhaupt einen bestimmten Termin im Kalender einträgst und dir fest vornimmst, an diesem Tag wieder anzufangen. Das können ganz kleine Schritte sein, vielleicht nur eine Einheit (25 min) Karteikarten wiederholen. Hauptsache, du kommst wieder rein!

Finde deine Motivation - oder schaff dir künstlich welche!

Zunächst ein vielleicht hilfreicher Gedanke: Es gibt Zeiten, in denen die Arbeit, die wir leisten, einen wesentlich stärkeren Einfluss auf unser weiteres Leben hat, als sonst. Wenn du dich zur richtigen Zeit (sagen wir vor deiner Abschlussprüfung) richtig anstrengst und eine gute Note erzielst, hast du davon wesentlich mehr, als wenn du diesen Zeitraum verpennst und erst im Job zum Workaholic mutierst, einfach weil eine schlechte Note im Examen auch durch noch so viel Arbeit danach nicht gut ausgeglichen werden kann. Es macht also viel Sinn, in diesen Zeiten das eigene Bequemlichkeitsgefühl zurückzustellen und ordentlich reinzuklotzen. Das zahlt sich später vielfach aus. Und auch wenn es sich anders anfühlt: Die Examensvorbereitung dauert nicht ewig. Erholen kannst du dich später davon.

 

Dann ein Lichtblick für diejenigen, die sich vor zigtausend fälligen Anki-Karteikarten fürchten: Zwar sieht das auf den ersten Blick sehr demotivierend aus, bei genauerem Hinsehen ist es allerdings gar nicht so schlimm, denn in der letzten Zeit hast du ja überhaupt keine Karteikarten mehr erstellt oder neu gelernt. Also kommen im Augenblick auch nicht mehr jeden Tag viele Wiederholungen dazu! Das bedeutet für dich: Wenn du dich auf ein einzelnes Rechtsgebiet konzentrierst und zunächst nur dort die fälligen Wiederholungen machst, dann wirst du dieses eingeschneite Fach schnell freischaufeln und hast dann erst einmal Ruhe. Anstatt also auf die große Gesamtzahl fälliger Karteikarten zu schauen und zu verzweifeln, konzentrier dich auf einzelne Fächer und du wirst alle paar Tage ein Erfolgserlebnis haben, weil du dir wieder ein Rechtsgebiet zurückerobert hast. So bildest du schnell eine Kette von Erfolgen, an der du dich Schritt für Schritt hochziehst, bis du wieder in Bestform bist. Und ich prophezeie dir: Oft wirst du erstaunt sein, wie gut du den Stoff noch beherrschst!

 

Hast du Zweifel, ob diese Motivatoren ausreichend sind, um dich wieder an den Schreibtisch zu bringen? Dann kannst du natürlich auch immer einen Commitment-Pakt mit einem deiner Freunde schließen - vorzugsweise mit einem, der nicht nachgibt, wenn du deinen Teil der Verabredung nicht einhältst. (Keine Gnade!) Falls dich die Aussicht auf eine bessere Note in mittelferner Zukunft (und dadurch bessere Jobs und mehr Freiheit!) nicht genug motiviert, dann ja vielleicht die Gefahr, in sehr naher Zukunft 100 (500? 1000?) € zu verlieren. 🤪 Wenn du also sichergehen willst, dass du an diesem Tag auch wirklich wieder anfängst, dann schaff dir eine solche künstliche Verpflichtung - und gib deinem Freund das Geld vielleicht sogar schon im Voraus als Pfand!

Simulier die Prüfung mit deiner Lerngruppe!

Wahrscheinlich der wichtigste Tipp in diesem Artikel und der, von dem ich damals am meisten profitiert habe: Such dir 3-5 Leute für eine Lerngruppe, trefft euch ein bis zweimal pro Woche und simuliert die Prüfungssituation so realistisch wie möglich - falls es der Raum zulässt vielleicht sogar bei der Sitzordnung. Einer spielt dann den Prüfer und nimmt die anderen dran, stellt Fragen anhand kurzer Fälle (die Basiskarten eignen sich dafür sehr gut 😀), erklärt ggf. ein wenig und ruft zur Ordnung, falls es bei euch zu lustig zugeht. Wir haben damals meistens zwei Rechtsgebiete pro Sitzung geprüft und die Rolle des Prüfers nach jedem Fach gewechselt.

 

Ich kann ehrlich sagen, dass mir das sehr viel gebracht hat. Nach langer Zeit des alleine Lernens habe ich gemerkt, dass ich die meisten Fragen ganz gut aus dem Stegreif beantworten konnte - die wild durcheinander gewürfelten Wiederholungen mit Anki sind ja eigentlich nichts anderes. Gleichzeitig habe ich dabei geübt, meine Gedanken auszuformulieren und vorzutragen. Das ist wichtig, weil es in der Mündlichen ebenso sehr auf kompetente Präsentation ankommt wie auf das Wissen selbst. Dabei zählt einfach Routine, deshalb sorg dafür, dass du davon so viel bekommst wie möglich. In der Vorbereitungszeit kostet dich das nur ein wenig Organisation und Überwindung, aber es zahlt sich vielfach aus.

Auf die Lerngruppe ist Verlass.

Bonus-Tipp: Wer beim Reden andauernd Füllwörter wie äh, öhm usw. verwendet, sollte daran arbeiten, das abzustellen. Zu diesem Zweck gibt es bei dem Public Speaking-Verein Toastmasters International z.B. bei jedem Treffen einen "Ah-Counter", der mitzählt, wie oft die Vortragenden "Äh..." oder "Öhm..." etc. sagen - und der manchmal sogar ab einer bestimmten Anzahl mit einem Gerät laut klickt. (Jedes. Einzelne. Mal. 🤪) Das ist natürlich ziemlich hardcore, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es dadurch möglich ist, dieses Verhalten nahezu komplett abzustellen.

 

Wer besonders große Probleme hat, vor anderen zu sprechen (wofür man sich wirklich nicht schämen muss), der könnte sich ernsthaft überlegen, ob er sich nicht einem solchen Verein für eine Weile anschließt. Während der Wahlstation meines Referendariats (Ich war beim Generalkonsulat in Atlanta) habe ich das auch getan, um mein Englisch zu verbessern und mich schon einmal auf den Aktenvortrag vorzubereiten. Shoutout an dieser Stelle an die Toastmasters vom Interstate North! Meiner Erfahrung nach ist das ein wirklich gutes System, um sich schnell zu verbessern. Die Leute in meiner Gruppe waren auch wirklich überaus wohlwollend und konstruktiv.

Feedback für meine zweite Rede. Wer errät, was das Thema war?

Allgemeinwissen pauken?

Ratgeber und Aufsätze zur mündlichen Prüfung raten häufig, sich in der Vorbereitung darauf speziell juristisches "Allgemeinwissen" anzueignen. Darunter fassen sie oft:

  • Methodische Grundlagen
  • Rechtsgeschichte
  • Rechtslatein

Gegen eine kurze erneute Beschäftigung mit methodischen Grundlagen habe ich nichts einzuwenden. Was unbestimmte Rechtsbegriffe, Ermessensentscheidungen oder Analogien sind, sollte in der Tat bekannt sein (ist es aber oft auch schon aus den AT-Fächern). Was die anderen beiden Themen angeht, bin ich jedoch skeptisch, weil ich weiß, wie viel Arbeit es ist, sich diese nur schwer eingrenzbaren Bereiche einzuprägen. Wenn sich aus den Protokollen deshalb nicht ergibt, dass dein Prüfer auf solche Fragen steht, bin ich der Meinung, dass du deine Zeit eher in die Wiederholung anderen Stoffs investieren solltest, z.B. in die folgenden gut abgegrenzten Bereiche:

  • Gerichtssitze und Sitze der verschiedenen Organe der EU
  • Wichtigste Daten der deutschen Nachkriegsgeschichte
  • Die aktuelle Bundesregierung. Wer gerade Kanzler(in) ist, kriegst du vielleicht noch geradeso hin, aber kennst du auch alle Bundesminister?
  • Alle bisherigen Bundespräsidenten und Bundeskanzler

Mit Anki hast du dieses Wissen schnell drauf. Und damit du nicht so viel tippen musst, findest du das Ganze hier als fertiges Deck mit 64 ganz kurzen Karten! 👌 Viel Erfolg damit!


Phase 2: Von der Ladung bis zur Prüfung

Sobald die Ladung in deinem Briefkasten gelandet ist und du weißt, wer dich prüft, tust du zwei Dinge:

  1. Du besorgst dir alle verfügbaren Protokolle deiner Prüfer von deiner Fachschaft, deinem Repetitorium und den verschiedenen Online-Protokollverleihen, die es inzwischen so gibt. Was du damit machst, erkläre ich dir gleich im Detail. Spoiler: Mehr als die nur einmal kurz überfliegen.
  2. Du findest heraus, ob deine Prüfer im Augenblick irgendwelche Vorlesungen oder Übungen halten.

Besuch die Vorlesungen und Übungen deiner Prüfer!

Wenn noch ein paar Termine bis zu deiner Prüfung ausstehen, nimm daran teil! So gewöhnst du dich schon einmal an die Art deines Prüfers und kannst vielleicht sogar einen guten Eindruck hinterlassen, indem du Fragen richtig beantwortest. Einer meiner Prüfer im Ersten hat damals einen Examenskurs im Erbrecht gehalten. Obwohl ich dafür vor dem Examen nur ein kurzes Skript durchgearbeitet hatte, hatte ich den Stoff dank Anki wirklich drauf und konnte gut mitarbeiten, sodass mein Prüfer schon vor der eigentlichen Prüfung einen positiven Eindruck von mir hatte. Das hat mir sicher nicht geschadet. Die Prüfung selbst ist dann auch richtig gut gelaufen und ich bin im Ergebnis mit 16 Punkten dort herausgegangen, obwohl es laut Protokollen unmöglich sein sollte, bei ihm die obersten Punktregionen zu erreichen.

Studier die Protokolle deiner Prüfer genau!

Wer mit Anki lernt, weiß aus eigener Erfahrung: Etwas gelesen haben und es wissen sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Das gilt auch für das Durcharbeiten von Protokollen. Und da die Beschäftigung mit diesen Protokollen in Anbetracht der bevorstehenden eigenen Prüfung automatisch mit einer gewissen Aufregung verbunden ist, passiert es schnell, dass man sie nur oberflächlich liest, um sich sagen zu können: Ja, Punkt erledigt, jetzt weiter mit angenehmeren Aufgaben! Das ist natürlich genau falsch. Also was tun?

 

Zunächst: Das, was du da liest, richtig einordnen. Wenn du ein Protokoll liest, klingt alles immer viel anspruchsvoller und schwieriger, als es in der Prüfung eigentlich war. Meinen eigenen Protokollen habe ich damals deshalb den folgenden Hinweis vorangestellt:

 

Hinweis: Beim Durchlesen der Protokolle entsteht oft der Eindruck, dass man selbst jeden erwähnten Punkt sofort aus dem Kopf heraus wissen müsste, um eine anständige Note zu erzielen. Das entspricht nicht der Realität der Prüfungssituation. Tatsächlich handelt es sich eher um ein Gespräch. Die Prüfer fangen mit allgemeinen Fragen an und stellen dann Folgefragen zu problematischen Punkten oder verwandten Themengebieten. Falls du dich also beim Lesen der Protokolle darüber wunderst, wie jemand dieses ganze Wissen auf Anhieb parat haben kann, dann denk daran, dass der Stoff aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von einer einzigen Person und oft auch nur auf Nachfrage wiedergegeben wurde.

 

Das Gelesene richtig einzuordnen ist schon einmal ein erster guter Schritt. Als nächstes knöpfst du dir die Protokolle einzeln vor und fasst sie in einem eigenen Dokument stichpunktartig zusammen. Was kam an den verschiedenen Prüfungstagen jeweils dran? Verstehst du das? Wenn nicht, schlag's nach und notier dir die Lösung. Besonders wichtig ist natürlich alles, was mehrmals drankam. Das solltest du dir direkt irgendwie markieren.

 

Wenn du dich so einmal durch alle Protokolle eines Prüfers gekämpft hast, verfügst du nicht nur über einen ersten Eindruck von den Vorlieben deines Prüfers, sondern auch - falls dein Prüfer schon länger dabei ist - über ein ziemlich langes Dokument mit Wissen, das für deine Prüfung besonders wichtig sein könnte. (Mein persönlicher Highscore liegt bei 31 Seiten, aufgestellt bei der Zusammenfassung der Protokolle meines Strafrechtsprüfers im Ersten. Ja, das war viel Arbeit, aber gut investierte Zeit.) Diese im Vergleich zu den Protokollen hoffentlich besser lesbare Zusammenfassung kannst du jetzt weiter durcharbeiten und dabei noch einmal ein Best Of der Lieblingsthemen deines Prüfers erstellen (oder diese zumindest farblich irgendwie hervorheben). Sorg dafür, dass du diese Themen am Prüfungstag sicher drauf hast!

 

 

Bonus-Tip: Nicht unbedingt notwendig, aber aus meiner Sicht hilfreich ist es, sich zusätzlich auch Anmerkungen und Beobachtungen, die über deinen Prüfer gemacht werden, aus den einzelnen Dokumenten herauszukopieren:

 

„Im Aktenvortrag hat er übrigens nicht gelächelt oder genickt, sondern ziemlich neutral zugehört. Lasst Euch also dadurch nicht verunsichern, falls ihr bei ihm Euren Vortrag haltet. Das sagt nichts über den Inhalt des Vortrags aus.“

 

Das hat den Zweck, dass du bestimmte Eigenheiten deines Prüfers auf dem Schirm hast, die dich in der Prüfung sonst vielleicht irritieren. Gleichzeitig finde ich es gut, positive Aussagen über deinen Prüfer festzuhalten (und negative, aus denen nichts zu gewinnen ist, unter den Tisch fallen zu lassen):

 

„Herr X machte auch nochmal deutlich, dass die Prüfer nicht gegen die Prüflinge arbeiten wollen, vielmehr gehe es darum, den Kandidaten ihr Wissen zu entlocken.“

Herr Y hat mir nach der Prüfung zunächst in dem Raum selbst und später noch einmal vor dem GJPA gratuliert. Ich hatte den Eindruck, dass er sich wirklich für uns gefreut hat.

 

Eher nicht aufnehmen würde ich hingegen folgende Beobachtung:

 

„Als ein Prüfling behauptete, dass der Strafprozess ein Parteiprozess sei, wurde Professor H wütend, zog sich den Ledergürtel vom Hosenbund und prügelte damit wie wild auf den Prüfling ein, bis dieser bewusstlos dalag. Wir waren davon alle sehr betroffen.

 

Sowas brauchst du dir nun wirklich nicht immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. (Das mit dem Strafprozess vielleicht hingegen schon.) Und ja, diese Anekdote hab ich mir natürlich nur ausgedacht. Mein Punkt ist: Je positiver du deinen Prüfern gegenüber eingestellt bist, desto besser!

Nimm als Zuschauer an den mündlichen Prüfungen anderer teil!

Vielleicht nicht unbedingt an den Prüfungen deiner eigenen Prüfer, weil die darauf gerne mal gereizt reagieren (Schließlich können sie dann dieselben Fragen nicht noch einmal stellen!), dafür aber möglichst früh an den Prüfungen anderer - es sei denn, natürlich, du musst selbst als Erster ran. 😛

 

Auch das Zuschauen ist aufregend und mag dich deshalb eine gewisse Überwindung kosten, aber durch die Teilnahme gewöhnst du dich schon einmal an Situation und Umgebung und kannst außerdem die gestellten Fragen selbst im Kopf beantworten. (Laut wohl besser nicht.) Dadurch trainierst du, ohne unter demselben Stress zu stehen wie später in deiner eigenen Prüfung. Mich hat der Besuch solcher Prüfungen damals auch beruhigt. Ich dachte mir danach: "Ach, so wild ist das alles gar nicht. Das hätte ich auch hinbekommen."


Phase 3: In der Höhle der Löwen

Was hast du zu erwarten?

Auch in der eigentlichen Prüfung kommt es zunächst wieder darauf an, die Situation richtig einzuschätzen. Die Mündliche ist aus meiner Sicht noch mehr Roulette als der Rest unseres Studiums. Es kommt dabei noch stärker auf Glück an als sonst. Wie sonst auch kannst du in der Mündlichen so ziemlich alles gefragt werden, aber anders als sonst genügt es in dieser Prüfung nicht, dass der Prüfer überhaupt Fragen stellt, die du beantworten kannst! Nein, diese Fragen müssen auch noch speziell dir gestellt werden. Mit etwas Pech kann es passieren, dass du auf alle bisher gestellten Fragen die richtige Antwort wusstest, aber jetzt - wo du als letzter endlich an der Reihe bist - verlässt dich dein Glück und du stammelst delirös den totalen Schwachsinn daher. Die Frage vorerst zurückstellen kannst du natürlich auch nicht, die Antwort wird jetzt sofort von dir verlangt. Diese Unberechenbarkeit gehört zum Wesen einer mündlichen Prüfung in Jura.

 

Umgekehrt kannst du natürlich aber auch Glück haben. Es kann sein, dass du genau die richtigen Fragen bekommst und mit deinen Antworten reichlich Punkte sammelst. Was auch immer passiert, mach dir bewusst, dass der Ausgang einer mündlichen Prüfung zu einem besonders großen Teil nicht in deiner Hand liegt. Mach dir also nicht zu viel Druck. Du hast die Aufgabe, dich anständig darauf vorzubereiten und dann auf das Beste zu hoffen, mehr nicht. Deine Prüfer wissen, wie wichtig und unvorhersehbar diese letzte Prüfung für dich ist und werden in den meisten Fällen versuchen, dem entgegenzuwirken. Also nur die Ruhe.

Nicht nur anwesend sein, sondern Präsenz ausstrahlen!

Körpersprache ist wichtig, deshalb: Nehmen Sie Haltung an, Soldat!

  • Achte darauf, gerade zu sitzen.
  • Die Kerle können sich ruhig etwas breitbeinig hinsetzen und die Schultern auch breit machen. Dabei nicht die Beine unter dem Tisch übereinander schlagen oder die Füße um die Stuhlbeine schlingen. Das wirkt unsicher. Stellt die Füße einfach flach auf den Boden.
  • Bei den Damen sollte es kein Problem sein, wenn sie die Beine übereinander schlagen. (Achtet dann aber besonders darauf, aufrecht zu sitzen!) Alternativ stellt die Füße auch einfach flach auf den Boden. Damit macht ihr bestimmt nichts verkehrt.
  • Die Unterarme legst du locker auf den Tisch, damit du frei gestikulieren kannst, um deinen Beitrag zu unterstreichen. Wenn du das gerade nicht tust, kannst du deine Hände locker ineinander oder übereinander legen. Das wirkt einerseits entspannt, andererseits aber eben auch offen und aufmerksam.
  • Wichtig: Wenn du den Raum betrittst und deine Prüfer begrüßt, schenk ihnen ein Lächeln - und achte auf Augenkontakt, wenn du mit ihnen sprichst!

Probier die Pose, für die du dich entscheidest, schon möglichst früh aus und teste sie in den Prüfungssimulationen mit deiner Lerngruppe. Umso natürlicher fühlst du dich später dabei. Derjenige, der jeweils den Prüfer spielt, kann ja darauf ebenfalls achten und euch am Ende der Prüfung eine kurze Rückmeldung zur Körpersprache eines jeden geben.

 

In der Prüfungssituation selbst zählt oft auch einfach Dominanz und Schnelligkeit, z.B. wenn es darum geht, eine offene Frage zu beantworten. Wem es nicht liegt, sich in so einer Situation durchzusetzen, der sollte auch das vorher üben. Umgekehrt sollten diejenigen, die gerade Prüfer spielen, darauf achten, jedes Mal ein paar offene Fragen in die Übungsstunde einzubauen. Das geht z.B. leicht, indem man eine Frage, die jemand nicht beantworten konnte, für alle freigibt. Dann haben auch alle einen guten Grund, die Fragen der anderen aufmerksam mitzuverfolgen.

 

Checkliste für die Prüfer:

  • Jede Stunde vorbereiten und überlegen, welche Fragen man stellen könnte (z.B. diese 😌).
  • Pro Stunde mindestens zwei offene Frage stellen.
  • Auf die Körpersprache der Prüflinge achten und am Ende Feedback geben.

Wenn es mal hakt...

Einer meiner Prüfer im zweiten Staatsexamen hat uns einen guten Tipp gegeben, was du tun kannst, wenn du eine Frage abkriegst, die dich auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Er riet uns, in so einer Situation einfach laut zu denken, damit die Prüfer dich ggf. in die richtige Richtung lenken können. Passende Formulierungen dafür könnten sein:

  • Ich denke dabei an...
  • Mich erinnert das an... 

Natürlich solltest du zunächst eine Weile über die Frage nachdenken, anstatt wild drauflos zu assoziieren.

 

Wenn du diese Tipps befolgst, solltest du für die letzte Herausforderung deines Studiums optimal gerüstet sein. Ich wünsche dir dabei ganz viel Erfolg! Und vergiss nicht, den Abschluss deines Studiums gebührend zu feiern!

 

Ich habe mich darum bemüht, diesen Beitrag mit vielen nicht trivialen Tipps anzureichern, die du auch wirklich umsetzen kannst. Wenn das dein Ding ist, dann schau dir doch mal meine Lernapotheke an (gibt's auch als Taschenbuch), in der du noch viele weitere solcher Tipps findest!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Thomas (Basiskarten Jura) (Freitag, 07 Juni 2019 16:23)

    Alpmann-Schmidt haben auf ihrem YouTube-Channel zwei Simulationen einer mündlichen Prüfung veröffentlicht:

    2017: https://www.youtube.com/watch?v=L30ZnldJrdk
    2018: https://www.youtube.com/watch?v=akkPZNspnrs