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Wie lief's im Examen, Nils?

Die Natur meines Unternehmens bringt es mit sich, dass ich mit den meisten von euch nur Kontakt über E-Mail habe. Nils ist einer der wenigen, mit denen sich ein engerer Austausch ergeben hat, auch weil er sich selbst ebenfalls für Themen wie Produktivität und effizientes Lernen interessiert. Dass er dann auch noch derart gut abgeschnitten hat, erfüllt mich mit Stolz. Nils, dir noch einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem hervorragenden Ergebnis, und euch viel Spaß beim Lesen!

Hallo, Nils! Wie ist es gelaufen?

 

Hallo Thomas, letztendlich ist es super gelaufen. Ich konnte staatlich 10,83 Punkte erzielen und komme mit meinem Schwerpunkt auf 11,42 Punkte insgesamt. Aus den Klausuren im Staatsteil bin ich sogar als Durchgangsbester herausgegangen. Nach der Mündlichen im Staatsteil war ich etwas unzufrieden, da ich gerne auf ein "gut" gekommen wäre, mittlerweile habe ich das aber hinter mir gelassen.

In welchem Semester bist du ins Examen gegangen? Wie lang war deine Examensvorbereitung insgesamt?


Ich habe die Klausuren am Ende meines 11. Semesters im Februar 2022 geschrieben. Begonnen habe ich meine Vorbereitung bereits Ende 2019. Ich habe also etwas über 2 Jahre gebraucht (bedingt durch Inselwissen aus dem Studium und die Corona Zeit). Auch habe ich zwischen den Klausuren und der Mündlichen des Staatsteil meine Schwerpunkthausarbeit geschrieben.

 

Wie fandest du die Klausuren? Wie war dein Gefühl danach?

 

Die erste Klausur war Strafrecht, nach welcher ich dann auf dem Nachhauseweg realisieren durfte, dass ich den Rücktritt vom Versuch vergessen hatte. Das hat mich dann an dem Tag ziemlich runtergezogen und ich wusste, die Klausur wird maximal 4 Punkte (es wurden dann 3). Die Klausuren in den anderen Rechtsgebieten liefen dann aber gut bis sehr gut, obwohl es doch exotischere Fälle waren. Letztendlich lag mein Gefühl bezüglich der Note bei 5 von 6 Klausuren richtig. Ich fand die Klausuren insgesamt gut machbar, was im Nachhinein aber immer leicht zu sagen ist.


Wie würdest du deinen Wissensstand zu Beginn der Examensvorbereitung einschätzen?

 

Grauenhaft. Ich habe sehr wenig im Studium gemacht und mich eher von Klausur zu Klausur gehangelt. Das hat notentechnisch zwar funktioniert, war jedoch ein erheblicher Nachteil mit Blick auf das Examen. Ich musste z.B. BGB AT von vorne bis hinten neu lernen, weil ich keine Vorkenntnisse hatte.

 

Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?


Ich habe mich alleine ohne Rep (auch nicht UniRep) vorbereitet. Ich hatte lediglich zwei Freunde die sich auch für ein Selbststudium entschieden haben und wir haben uns stets gemeinsam verabredet zum lernen, während Corona dann online. Ich habe Anki und die Basiskarten genutzt um das gelernte Wissen zu behalten. Parallel hab ich Skripte/Lehrbücher durchgearbeitet und eigene Karten hinzugefügt. So habe ich sichergestellt, dass ich den ganzen Stoff einmal von vorne bis hinten durchgearbeitet habe. Sonst habe ich nur Probeklausuren geschrieben und 1-2 mal die Woche eine Lösungsskizze für einen Fall gemacht.


Wie viele eigene Karten hast du erstellt? Kam etwas davon dran?

 

Ich habe über 10.000 Karten in meiner Kartenverwaltung, also ein paar tausend selbst erstellt. Das lag an meiner Sorge, dass genau dieses Problem oder dieses Teilgebiet vertieft im Examen abgefragt werden könnte. Tatsächlich kam davon praktisch nichts dran. Lediglich zur Grundschuld waren ein paar Karten von mir hilfreich im Examen. Die Summe der Karten hatte jedoch einen Vorteil: Ich war mir sicher, dass ich nehazu alles vollständig gelernt habe und mich kaum etwas überraschen kann.

Gab es besondere Hoch- oder Tiefpunkte in deiner Examensvorbereitung?

 

Durch die Corona Zeit, welche kurz nach meinem Start in der Examensvorbereitung eingesetzt hat, hing ein Dauertief in der Luft. Die Bibliothek hatte lange Zeit zu und war immer nur für kurze Phasen offen. Das ständige Lernen aus dem Home Office wurde dann auch für mich anstrengend. Ich bin dankbar für meine Lerngruppe in der Zeit. Und dann kamen ca. 8 Monate vor dem Examen Schmerzen in beiden Händen dazu, welche mir das Tippen und Schreiben zunächst unmöglich machten. Bis heute habe ich damit zu tun und es handelt sich wohl um ein RSI-Syndrom.


Wann und wie bist du auf meine Arbeit aufmerksam geworden?

 

Ich habe mich zu Beginn meiner Examensvorbereitung gefragt, wie man effektiv und effizient lernt. Um dies zu beantworten habe ich dann jeden Aufsatz seit 1990 zum Thema Lernen in juristischen Zeitschriften gelesen. Jedoch hat keiner davon mehr vermittelt als bereits durch das Studium bekannt (z.B. "Lerngruppen bilden"). Die einzige Ausnahme ist bis heute Lammers, JuS 2015, 289 und dein jurPC-Aufsatz. Auch habe ich klassische juristische Bücher zum Thema Examensvorbereitung gelesen, war aber entäuscht genau das Gleiche wie bei den Aufsätzen vorzufinden (Ausnahme natürlich die Lernapotheke). Ich bin dann bei Youtube zufällig über ein Video gestoßen, welches ein paar Studien zum Thema "active recall" und "spacing effect" vorgestellt und Anki als praktische Umsetzung vorgeschlagen hat. Nach kurzer Recherche bin ich dann auf die Basiskarten gestoßen (zum Glück). Ich hab mir dann damals eine Lernberatung bei dir gebucht und so haben wir uns das erste Mal kennen gelernt. The rest is history.

Was unterscheidet die Basiskarten deiner Meinung nach von anderen Lernmitteln?

 

Die Basiskarten konzentrieren sich auf das wichtigste Grundwissen (Paretoprinzip) welches man benötigt um in das Examen zu gehen. Sie nutzen zudem, anders als viele andere Lernmittel, ein evidenzbasiertes System. Ich wusste, sobald ich das Wissen in Anki eingetragen hatte bzw. die Basiskarten zu dem Thema vorhanden waren, dass ich mich um nichts mehr kümmern musste, außer meine täglichen Wiederholungen zu machen. Anki hat mir dadurch ein enormes Gefühl an Sicherheit gegeben.

Wie bist du mit neuen Stapeln umgegangen? Wie viele Karten hast du pro Tag neu gelernt?


Ich habe immer ein Teilrechtsgebiet am Stück bearbeitet (z.B. BGB AT) und dann ca. 20-30 neue Karten gelernt. Gegen Ende der Vorbereitung wenn die Zeit eng wurde sind es dann aber auch mal 50 neue Karten pro Tag geworden.

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet?

Meist ging es zwischen 8 und 9 Uhr los. Ich habe immer zu Beginn die fälligen Karten abgearbeitet, was in der Regel zwischen 1-2h gedauert hat. Dann habe ich meist eine Examensklausur zur Hand genommen und für 90 min eine Lösungsskizze erstellt. Danach ging es meist schon in die Mittagspause für 2h (Essen, Spazieren und Non Sleep Deep Rest Protokoll). Dann habe ich noch 3-4h Skripte/Lehrbücher durchgearbeitet und Karten ergänzt. Feierabend war meist zwischen 17:30 und 18:00 Uhr. Dann ging es ins Gym und um 22-23 Uhr bin ich meist ins Bett gegangen. Anfangs habe ich das von Montag bis Freitag gemacht und versucht samstags eine Klausur auszuschreiben. Ab der Mitte der Vorbereitung habe ich die Klausur dann aber auf Montag gelegt und samstags meist nur bis zur Mittagspause gearbeitet.

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?

Round about 30-40. Mehr braucht es meiner Ansicht nach auch nicht unbedingt.

Gibt es sonst noch Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?

 

Optimalen Schlaf priorisieren, unter neun Stunden ging bei mir nichts. Hört euch auch unbedingt den Huberman Lab Podcast an, da gibt’s konkrete Tipps z.B. dazu, wie man seinen Arbeitsplatz optimal einrichten sollte für maximale Aufmerksamkeit. Ebenso kann ich das Buch "Deep Work" von Cal Newport jedem ans Herz legen. Und die gemeinsame Entscheidung mit einem Freund, unsere Social Media Nutzung einzuschränken, hat gegen Ende der Vorbereitung auch nochmal geholfen, sich auf das Ziel zu fokussieren.

 

Gibt es umgekehrt etwas, von dem du unbedingt abraten würdest? Oder vielleicht irgendwelche Standard-Tipps, die für dich gar nicht funktioniert haben?

 

Von einem kommerziellen Repetitorium halte ich nicht viel. Nach meinem Empfinden geht ein Großteil der Leute dahin, um sich in Sicherheit zu wiegen und die Organisation jemand anderem zu überlassen. Ebenso halte ich persönlich nicht viel von der durchschnittlichen Vorlesung, da man m.E. die Zeit effektiver mit dem Selbstudium verbringen kann. Es gibt natürlich Ausnahmen.

 

Was war für dich das Schwierigste an der Examensvorbereitung?

 

Durchzuhalten und den selbstgesteckten Zeitplan einzuhalten, was ich praktisch nie geschafft habe. Deswegen habe ich auch so lange gebraucht.

 

Worauf kam es aus deiner Sicht im Examen letztlich besonders an?

 

Grundlagenwissen und Argumentationsfähigkeit.

 

Wenn du in der Zeit zurück zu deinem ersten Semester reisen könntest, welche Tipps würdest du deinem früheren Ich mitgeben?

 

Anki ab der ersten Stunde nutzen. Radikal das Paretoprinzip anwenden und sich auf die Grundlagen fokussieren. Nur die Vorlesungen besuchen die einen echten Mehrwert vermitteln. Ein Auslandssemester machen.

 

Was steht als nächstes an und wird Anki dabei auch eine Rolle spielen?

 

Ich habe im Oktober als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angefangen und suche derzeit nach einem passenden Dissertationsthema. Anki wird mir in der ganzen Zeit helfen, das materielle Wissen bis zum Referendariat nicht zu vergessen!


Nils, herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der Dissertation!

👉 Tipp: Hier geht's weiter zu meinem letzten Interview mit Leonard. Für allgemeines Feedback zu den Basiskarten klick hier.

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Kommentare: 7
  • #1

    C.Z (Samstag, 19 November 2022 12:29)

    Herzlichen Glückwunsch zum überragenden Ergebnis! Fühle mich von dem klasse Interview sehr gut abgeholt. Wünsche dir auf dem Weg zur Dissertation viel Erfolg!

  • #2

    Hugo (Montag, 21 November 2022 16:24)

    Glückwunsch zum Ergebnis!

  • #3

    Max (Montag, 21 November 2022 22:12)

    Herzlichen Glückwunsch zu dem hervorragenden Ergebnis!

  • #4

    Nils (Mittwoch, 23 November 2022 11:59)

    Danke euch für die lieben Worte!

  • #5

    Ferdinand (Samstag, 26 November 2022 09:35)

    Auch von meiner Seite glückwünsch zum tollen Ergebnis!

    Ich frage mich, wie du gegen Ende die Anzahl von 10.000 Karten wiederholt hast. Hast du 1-2 Monate vor dem Examen nochmal alle Karten als "vergessen" eingstellt oder hattest du da ein anderes Sytsem? Da bin ich nämlich selbst noch unsicher, wie ich da am besten vorgehen soll.

  • #6

    Nils (Samstag, 26 November 2022 21:39)

    Hallo Ferdinand, erstmal danke!

    Ich habe die Karten nach und nach erstellt und den Basiskarten hinzugefügt und immer dann wiederholt wenn sie angefallen sind. Ich habe keine "Bulemie" Wiederholungseinheit kurz vor dem Examen gemacht, das braucht es auch nicht wenn man regelmäßig Anki macht. Denn die Wiederholungsabstände berechnet Anki selbst. Ich habe Anki so vertraut, weil ich über 2 Jahre gesehen habe, das ich praktisch nichts vergessen habe und auf eine komplette Wiederholung aller Karten verzichtet.

  • #7

    Ferdinand (Montag, 28 November 2022 22:39)

    An die Gefahr des "Bulemie-Lernens" habe ich noch gar nicht gedacht. Vielen Dank, dass du deine Erfahrung mit mir/uns geteilt hast!