· 

Wie lief's im Examen, Annika?

In unserem Fach herrscht oft eine Ellenbogenmentalität, die es gerade in der Examensvorbereitung schwer macht, über die eigenen Probleme zu sprechen und zu sehen, ob es auch anderen so geht. Damit niemand denkt, dass denjenigen, die am Ende gut abschneiden, alles in den Schoß fällt, ist ein ehrlicher und ungeschönter Einblick in die Realität der Examensvorbereitung hilfreich. Aus diesem Grund freue ich mich so über mein Interview mit Annika, in dem sie offen über ihre Schwierigkeiten in der Vorbereitung spricht – und davon, wie sie es geschafft hat, diese zu überwinden. Annika, nochmal ganz herzlichen Glückwunsch zu dem großartigen Ergebnis und euch viel Spaß beim Lesen!

Hallo, Annika! Wie ist es gelaufen?

 

Hallo Thomas! Es ist tatsächlich besser gelaufen, als ich es mir erträumt habe, mit der Mündlichen ist es jetzt im Pflichtteil ein zweistelliges VB geworden.

In welchem Semester bist du ins Examen gegangen? Wie lang war deine Examensvorbereitung insgesamt?


Insgesamt hat meine Examensvorbereitung 2 Jahre gedauert. Das Examen habe ich nach dem 10. Semester geschrieben. Das ist länger als bei manch anderem, ich habe aber die nötige Sicherheit gebraucht, um mit einem guten Gefühl da rein zu gehen. Letztlich bin auch 100% glücklich, dass ich es so gemacht habe.

 

Wie fandest du die Klausuren? Hattest du danach ein gutes Gefühl?

 

Im Großen und Ganzen gab es keine Klausur, bei der ich dachte, dass sie komplett in die Hose ging. Es gab aber natürlich Dinge, bei denen ich mir unsicher war, ob ich sie so richtig gelöst habe.

 

Eine Freundin – mit der ich das Examen geschrieben habe – und ich hatten die Abmachung, dass wir nach keiner der Klausuren über Inhaltliches sprechen. Das haben wir auch durchgehalten. Außer bei einer. Ergebnis: Absolute Verunsicherung. :D Danach haben wir es wieder unterlassen!

Ich habe nach den Klausuren auch nicht gegoogelt, ob ich irgendetwas richtig oder falsch gemacht habe, weil ich mir dachte, dass ich es ja sowieso nicht mehr ändern kann.

 

Die Warterei auf die Ergebnisse fand ich aber wirklich die Hölle. Je länger sie sich gezogen hat, desto unsicherer wurde ich. Ich hatte mir vorgenommen nochmal zu schreiben, wenn es schlechter als 7 Punkte gewesen wäre und ich hatte wahnsinnig Angst, dass das eintreten würde, weil ja allein diese 6 Klausuren in eineinhalb Wochen sehr anstrengend sind. Zum Glück war es nicht der Fall!

Tatsächlich habe ich auch wirklich ein Talent, mich unnötig in Stress und Panik zu versetzen.


Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?


Die Examensvorbereitung begann mit dem Rep im August 2018. Ich muss aber sagen, dass ich mit relativ wenig juristischem Wissen ins Rep gestartet bin. Klar, habe ich immer für die Klausuren während des Hauptstudiums gelernt, aber das Gelernte habe ich danach wieder vergessen. Die Annika am Anfang des Reps wusste z.B. nicht mal mehr, wie man den § 823 BGB prüft.

 

Dementsprechend wurde ich im Rep mit neuem Wissen überflutet. Weil ich das Rep bei Hemmer besucht habe, habe ich mir in Zivilrecht auch die ganzen Hemmer-Skripte gekauft, weil man die ermäßigt bekommen hat. Persönlich mag ich aber eigentlich die Alpmann-Skripte lieber.

Tja und dann fing es an, dass ich ein Skript nach dem anderen durchgearbeitet und seitenlange Zusammenfassungen geschrieben habe. So ging das Monat um Monat. Irgendwann stellte ich fest, dass ich trotz über einem halben Jahr im Rep wissenstechnisch eigentlich immer noch ganz am Anfang stand. Klar, ich konnte die Sachen nachschlagen, aber ich wusste rein gar nichts auswendig.

Ich sah diesen riesigen Stapel an Skripten und dachte: „Wie zur Hölle soll ich das lernen? Das ist doch unmöglich.“ Jedes Mal, wenn ich begann eine Sache zu lernen, vergaß ich die andere wieder. Ich wusste einfach nicht, wie ich es sinnvoll und strukturiert wiederholen konnte und vergoss leider auch viele Tränen.

 

Meine Freundin brachte mich dann auf deine Basiskarten und Anki. Erst war ich skeptisch und dachte: „Waaaaas, 300 Euro zusätzlich noch für diese Karten?“ Als Student ohne Einkommen ist das natürlich viel Geld. Rückblickend kann ich aber sagen: Jeder Cent hat sich gelohnt. Tatsächlich verdanke ich diesen Karten und Anki wesentlich mehr als dem Rep.

 

Ein Schlüsselmoment in meiner Examensvorbereitung war wirklich dieser eine Abend im Mai 2019, als ich abends im Bett lag, deine Lernapotheke gelesen habe und dachte: „O mein Gott, er hat so Recht. Endlich spricht das mal jemand aus.“ Jedes Wort sprach mir aus der Seele.

Anki schien mir die perfekte Lösung zu sein, wie man Wissen langfristig im Kopf behält.

Ab diesem Moment, habe ich mein Lernsystem komplett umgekrempelt. Ich habe:

1.    All deine Basiskarten gekauft.

2.    Eigene Karten erstellt.

3.    Die Pomodoro-Technik angewandt. Auch das war ein sehr wichtiger Pfeiler meiner Vorbereitung. Bevor ich Pomodoro genutzt habe, habe ich meine Lernzeit nie tatsächlich erfasst. Das führte dazu, dass ich manchmal mit schlechtem Gewissen bis 9 Uhr abends noch am Schreibtisch saß, weil ich das Gefühl hatte tagsüber unproduktiv gewesen zu sein.


Das hat Pomodoro geändert. Ab August 2019 (mein Examen war im August 2020) war ich jeden Montag bis Freitag um 9 Uhr in der Bib (vor Corona zumindest). Dort habe ich immer 15 Einheiten à 25 Minuten gemacht.

Bis ich mit den Karten fertig war, hat es meist bis mittags gedauert. Dann blieben immer noch ein paar Einheiten, um Fälle aus dem Rep zu wiederholen oder Klausuren, die ich geschrieben habe, nachzuarbeiten.

 

Mit Pausen war ich dann meistens zwischen 18 und 19 Uhr fertig. Das Gute: Dann war ich eben auch fertig. Feierabend. Ich ging heim mit dem guten Gefühl, für heute genug gemacht zu haben.

4.    Die Richard-Grey Technik mit den Merkworten angewandt. Die fand ich einfach nur genial. Insbesondere nach dem schriftlichen Examen, zur Vorbereitung auf die Mündliche, habe ich gemerkt, wie stark sich diese Worte ins Hirn brennen. Ich habe nach dem Schriftteil erstmal 2-3 Monate nichts gemacht und viel vergessen. Als ich dann wieder anfing zu lernen, fiel mir auf, dass ich diese Merkworte immer noch wusste, selbst, wenn ich das eigentliche Thema dazu nicht mehr beherrschte.

Ich lege echt allen ans Herz, dieser Methode eine Chance zu geben. Man muss das Wort auf jeden Fall rhythmisch aufsagen, wie einen Reim und dann mehrfach vor sich her sprechen. Wenn man das dann 3 Tage lang wiederholt, vergisst man es nicht!

 


Was unterscheidet die Basiskarten deiner Meinung nach von anderen Lernmitteln?

 

Sie haben, meiner Meinung nach, folgende Vorteile:

 

1.    Sie vermitteln einem die Grundlagen.

2.    Man hat immer mehrere Rechtsgebiete gleichzeitig auf dem Schirm.
Wie oft habe ich Kommilitoninnen/Kommilitonen sowas sagen gehört wie „Ich muss echt mal wieder Baurecht wiederholen, das hab‘ ich jetzt Monate nicht angeschaut.“ Das gibt es bei Anki und den Basiskarten nicht. DAS ist, meiner Meinung nach, der größte Vorteil. Man lernt immer alles parallel und muss sich nicht einmal Gedanken darüber machen, wann man was wiederholt.

 

Wie bist du mit neuen Stapeln umgegangen? Wie viele Karten hast du pro Tag neu gelernt?


Ich glaube, ich habe immer 20-30 neue Karten am Tag gelernt. Ich habe im Juni 2019 mit den Basiskarten angefangen und hatte dann im Februar 2020 keine neuen Karten mehr. Ab dann waren es also nur noch Wiederholungen.

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet?

Montag bis Freitag war ich in der Bib und habe, wie schon gesagt, mit der Pomodoro-Technik und Anki gelernt. Dazu kamen dann noch Fälle.

Samstags habe ich eine Klausur morgens geschrieben. Etwa ein halbes Jahr vor dem Examen habe ich samstags nach der Klausur dann auch noch zusätzlich gelernt.

 

Ich hatte aber eine unumstößliche Regel: Die Sonntage waren frei!

Ich glaube so einen „Lernmarathon“ über 2 Jahre hält man auch wirklich nur aus, wenn man sich bewusst Freizeit nimmt. Meistens habe ich sonntags dann einen schönen Ausflug mit meinem Freund gemacht.

Das Examen ist auch eine Herausforderung für die Nerven. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Und es gibt immer Tage, an denen man irgendwie gar nichts gebacken bekommt und man nichts mehr aufnehmen kann. Dann lieber die Lernsachen weglegen und was Schönes machen, als sich noch stundenlang quälen, ohne dass es was bringt. Am nächsten Tag sieht die Sache meist wieder anders aus.

 

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?

Knapp 50. Die ersten habe ich im Rep mitgeschrieben, allerdings noch mit Hilfe. Ab August 2019, also ein Jahr vor dem Examen, habe ich jeden Samstag eine Klausur geschrieben, ab da ohne Hilfsmittel.

Die Klausuren schrieb ich immer im Uni-Klausurenkurs. Falls das nicht ging (Semesterferien etc.), habe ich eine aus dem Alpmann Online-Klausurenkurs geschrieben. Etwa 2 Monate vor dem Examen habe ich damit aufgehört.

 

Auch bei den Klausuren haben mir Anki und die Basiskarten wirklich viel gebracht. Schon nach wenigen Monaten mit Anki liefen die Klausuren recht ordentlich. Das liegt daran, dass man einfach einen Gesamtüberblick über alles hat und das Grundwissen beherrscht. Klar, manche Klausuren gehen immer mal schief. Bei mir waren alle Noten von 1 - 13 Punkten in den Probeklausuren dabei. Wenn eine mal nicht so gut war, nicht entmutigen lassen! Ich habe die jeweilige Klausur dann immer nachgearbeitet und mir Anki-Karten dazu erstellt. Außerdem: Selbst im Examen kann eine Klausur mal daneben gehen. Trotzdem hat man ja 6 Versuche, das sollte man sich immer bewusst machen.

Gibt es sonst noch Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?

 

1.    Es hilft einiges, da nicht alleine durchzumüssen. Ich hatte zwar keine Lerngruppe, aber hab das Examen mit einer meiner besten Freundinnen geschrieben. Wir waren zusammen im Rep, haben beide mit Anki und den Basiskarten gelernt, immer zusammen samstags Klausuren geschrieben und bei Unklarheiten immer den jeweils anderen gefragt. Wenn einer mal wieder einen halben Nervenzusammenbruch hatte, hat der andere ihn wieder hochgezogen. :D Das war so, so viel wert. Deswegen schadet es sicher nicht, sich mit anderen zusammen zu tun.

 

2.    Sich aber auch nicht von anderen verunsichern lassen.
Im Jurastudium herrscht leider ein großer Konkurrenzdruck. Man wird auch immer wieder auf Leute treffen, die meinen, es besser zu wissen.

„Wie, das Lehrbuch hast du nicht gelesen? Also das ist eigentlich ein Muss.“

„Was, du bereitest dich 2 Jahre auf das Examen vor? Das ist viel zu lang, weil…“

„Wie, du kennst die BGH-Entscheidung XY nicht? Die ist DEFINTIV examensrelevant.“

Okay cool. 😊 Dazu sage ich: Einfach ignorieren. Es wird immer irgendetwas geben, das man nicht weiß. Dieses Fach ist sooooo umfassend. Niemand weiß alles. Deswegen kommt es vor allem auf die Grundlagen an. Mit denen wird man in der Regel auch den Spezialfall lösen können. Und wenn nicht? Dann wollte das Schicksal es wohl so!

 

Was war für dich insgesamt das Schwierigste an der Examensvorbereitung?

 

Die Nerven und Ruhe zu bewahren. Deswegen bin ich auch auf Nummer sicher gegangen und habe mir ein halbes Jahr mehr genommen, hatte dafür aber immer einen entspannten Sonntag. Das war mir lieber, als dass ich als Zombie, der eine Nachtschicht nach der anderen schiebt, ins Examen gehe und kaum klar denken kann.

 

Durch Anki und die kontinuierliche Vorbereitung konnte ich dann wirklich mit einem guten Selbstbewusstsein ins Examen gehen. Ich war – zumindest im schriftlichen Teil – eigentlich gar nicht so nervös, sondern dachte mir „Das wird schon irgendwie werden.“

 

Vor der Mündlichen war ich nochmal um einiges nervöser, obwohl die Schriftliche ja gut gelaufen war. Das lag daran, dass ich schon im Examen schmerzlich feststellen musste, dass immer irgendetwas abgefragt wird, womit man nicht gerechnet hat. Im Mündlichen ist die Wahrscheinlichkeit natürlich noch viel höher; man redet pro Fach ja nur 10 Minuten. ABER: Die Sorge war unbegründet. Die Prüfer waren alle super nett und darauf bedacht, dass wir uns alle eine Notenstufe verbessern.

Man sollte sich immer auf das besinnen, was man kann, nicht auf das, was man nicht kann!

 

Und eins muss man sich auch immer wieder vor Augen halten: Jura ist nicht alles im Leben. Das sage ich, weil man das manchmal während der Examensvorbereitung vergisst und die ganze Zeit nur Leistung, um Leistung, um Leistung erbringen will. Noch dazu kommt natürlich, anders als bei anderen Fächern, dieses „Alles-oder-nichts“-Prinzip: Entweder man hat sein Examen oder man hat nichts.

Aber selbst, wenn das Examen nicht so läuft wie gewünscht, jeder hat mehr zu bieten als nur dieses Studium.

Es gibt so viele schöne andere Sachen: Freunde, Familie, Urlaube, leckeres Essen.

Das Leben ist nicht vorbei, nur weil man eine schlechte Note schreibt. Einfach immer mal wieder klarmachen, dass dieses Studium einen nicht definiert.

 

Gibt es etwas, das du im Nachhinein anders machen würdest? Worauf kam es aus deiner Sicht letztlich besonders im Examen an?

 

Die Frage finde ich schwierig, weil letztlich ja alles gut gelaufen ist.

Manchmal frage ich mich, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, erst die Basiskarten und Anki gemacht zu haben und DANN das Rep. Denn bei Hemmer sind die Anforderungen vor allem in Zivilrecht am Anfang ziemlich hoch und es geht direkt los mit Verknüpfungen zu Bereicherungsrecht, Sachenrecht etc. Da kam ich am Anfang gar nicht mit.

Auf der anderen Seite hatte ich durch das Rep natürlich sehr gute Unterlagen. 

Außerdem muss ich sagen, dass die Wiederholung der Anki-Karten einem auf Dauer auch ziemlich auf den Zeiger geht, haha.

Nicht böse gemeint – ich verdanke deinen Basiskarten ALLES – aber manchmal dachte ich mir auch: „Wenn ich noch einmal ‚Typenhebelschreibmaschine von Franz Xaver Wagner‘ oder ‚Rückkehr von der Kirchweih‘ oder ‚historisches Laennec-Stethoskop‘ lese, bringe ich mich um!“

 

Was steht als nächstes an und wird Anki dabei auch eine Rolle spielen?

 

Ich schreibe im August noch das universitäre Schwerpunktexamen in Familien- und Erbrecht kombiniert mit IPR. Hier werde ich auch Anki nutzen. Zum Familien- und Erbrecht habe ich ja sogar schon deine Basiskarten (DANKE!), die ich dann ggf. noch erweitere und für IPR werde ich mir selbst welche erstellen. Natürlich werde ich da auch wieder die Richard Grey-Technik nutzen. 😊

 


Annika, vielen Dank für das Interview!

 

 

 

👉 Tipp: Hier geht's weiter zu meinem letzten Interview mit Jutta. Für allgemeines Feedback zu den Basiskarten klick hier.

Kommentar schreiben

Kommentare: 9
  • #1

    Lena (Donnerstag, 04 März 2021 10:09)

    Wow vielen Dank Annika für diesen Einblick! Das hat mir sehr weitergeholfen!
    Herzlichen Glückwunsch zum guten Examen!

  • #2

    Referendar (Donnerstag, 04 März 2021 13:20)

    Ein Pomodoro Zyklus besteht aus ca. 4 Einheiten (a 25 Min) mit jeweils 3-5 Min Pause. Nach den vier Einheiten sind rund 20-30 Min Pause vorgeschrieben. Das ergibt eine Zyklusdauer von 137-150 Min. Bei 5 Einheiten sind es 165-180 Min. 15 Einheiten sind drei Zyklen, also 495-540 Min pro Tag. Gerundet etwa 8,5 bis 9 Stunden pro Tag.

    Phew. Kann nicht ein Interviewter mal sagen, dass er in nachvollziehbarer Zeit lernte und es ohne die gemeinsamen Mittagessen, den obligatorischen Smalltalk, das Kaffeetrinken und ein Freitagsbier nicht geschafft hätte?

  • #3

    Ruben (Donnerstag, 04 März 2021)

    15 Einheiten pro Tag find ich schon imens viele. Wobei ich ehrlich gesagt auf ähnliche Start und End Zeiten komme. Wahrscheinlich macht mensch dann doch immer mehr als mensch denkt.

  • #4

    Annika (Donnerstag, 04 März 2021 14:40)

    @Referendar: Hey, was meinst du denn mit „nachvollziehbarer“ Zeit? �
    Deine Rechnung stimmt schon, ich war um 9 Uhr in der Bib und bin dann so um 18:30/19 Uhr heim. Dazwischen gab es eine Mittagspause von einer Stunde mit meiner Freundin, die das Ganze genau so gemacht hat. Kaffepause oder sonstiges haben wir uns gespart und Smalltalk außer in der Pause gab’s halt nicht. :D
    Bei den 15 Einheiten haben wir uns an Thomas und seiner Lernapotheke orientiert, der es genauso gemacht hat.
    Ich weiß, dass es ein „taffer“ Lernplan ist und ganz bestimmt muss das auch niemand so durchziehen. Für mich hat es sich am Ende ausgezahlt und war der richtige Weg, aber ich glaube ich habe in dem Interview auch sehr deutlich gemacht, dass es nichts bringt sich mit anderen zu vergleichen. Ich bin mir sicher es gibt genug andere Leute, die mit weniger Aufwand ein genauso gutes oder besseres Ergebnis erzielt haben. �

  • #5

    Johannes (Donnerstag, 04 März 2021 15:22)

    Hey Annika! Vielen Dank für dieses informative Interview.

    Ich hätte noch zwei Fragen hinsichtlich deines Lernverhaltens.

    1) Du meintest, dass du vormittags die Basiskarten wiederholt bzw. gelernt und anschließend nur noch "Fälle" bearbeitest hast.
    Hast du dann lediglich die Inhalte aus den Fällen (vom Rep/Probeklausur) in Anki eingetragen oder hast du trotzdem nochmal ein Lehrbuch/Skript zusammengefasst und dann in Anki geschrieben?

    2) zu deinen eigenen erstellten Karten: Wieviele Karten hast du ungefähr selbst erstellt?

  • #6

    Annika (Donnerstag, 04 März 2021 22:07)

    @Johannes, das kam darauf an.
    In Öffrecht hatte ich nur Thomas Verwaltungsrechtkarten, deswegen habe ich dort alle anderen Stapel selbst erstellt und zwar mithilfe des Skripts aus dem Rep.
    In Sachenrecht habe ich noch das Alpmannskript durchgearbeitet und ergänzt. Ansonsten resultierten meine selbst erstellen Karten tatsächlich „nur“ aus Fällen, wobei das über die Zeit echt viele wurden, weil ich nach und nach die Fälle aus dem Rep durchgearbeitet habe (also erst BGB AT, dann Schuldrecht, dann Sachenrecht usw.) UND jede Woche eine Klausur aus dem Klausurenkurs dazu kam. Wenn letztere gut lief musste ich aber auch keine neuen Karten erstellen.

    Ich habe eben nachgeschaut und gesehen, dass ich etwa 10.000 Karten in Anki habe, du kannst dir ja ausrechnen, wie viele das sind, wenn man Thomas Karten rausrechnet – vermutlich immer noch ziemlich viele. Ob das so gut war, sei dahingestellt. Manche meiner Karten fand ich auch echt schlecht und habe sie irgendwann ausgesetzt. Außerdem hatte ich sämtliche mir bekannte Streits in Anki; das ist auch nicht jedermanns Sache.

    Ich würde mich da nicht an irgendeiner Zahl aufhängen, denn ich zähle sicherlich zu den Personen, die sehr, sehr viel (und dazu auch noch blödes Spezialwissen) gelernt haben. Am Ende kamen vielleicht 10 % von dieser Masse im Examen dran, so ist das leider.
    Man fährt immer gut, wenn man die Grundlagen beherrscht, aber ich habe mich oft zu verrückt gemacht und konnte mich schlecht „beschränken“.
    In den Nebengebieten (Handels-, Gesellschaftsrecht, ZPO, StPO, Arbeitsrecht, Familien- und Erbrecht) habe ich es aber dabei belassen nur mit Thomas Karten zu lernen. Das habe ich für absolut ausreichend befunden habe und das obwohl ich vorher im Studium und auch im Rep keines dieser Gebiete jemals angeguckt habe (Hemmer legt eher den Schwerpunkt auf die Grundlagen).

  • #7

    Phillip (Donnerstag, 04 März 2021 23:07)

    Moin Annika,

    glückwunsch zu Deinem guten Examen! Weil ich einen ähnlichen Zeitplan habe wie Du (im Februar mit neuen Karteikarten durch und Ende Juli gehts in die schriftlichen Klausuren), würde mich noch interessieren, wie Du die Zeit dazwischen gelernt hast. Vor allem Fälle oder nochmal alle Skripte durch o.ä.? Bin gerade am überlegen wie ich das genau angehen will und für Anregungen dankbar. :)

  • #8

    Annika (Freitag, 05 März 2021 10:05)

    Hey Philipp, danke dir! :) Im letzten halben Jahr hab ich keine Skripte mehr durchgearbeitet, sondern nur noch Fälle gemacht.
    In Zivilrecht habe ich mich insbesondere nochmal auf BGB AT, Sachenrecht und Schuldrecht fokussiert und hierzu die wichtigsten Fälle aus dem Rep gemacht. In Schuldrecht habe ich zusätzlich noch die Fälle aus dem Uniexamenskurs gemacht.

    Im Öffentlichen Recht bin ich auch die einzelnen Gebiete nochmal durch und habe mich gefragt: Könnte ich zu Thema XY jetzt einen Fall lösen? Zum Beispiel fiel mir dann auf, dass ich immer Karten zum Öffentlich-rechtlichen Vertrag gelernt habe, aber eine Klausur zu dem Thema nicht gut strukturieren konnte. Dann habe ich mir das nochmal angeschaut.

    Das letzte halbe Jahr war also eher ein Vertiefen des schon vorhandenen Wissens und der „Feinschliff“. Indem ich die wichtigsten Gebiete nochmal wiederholt habe, konnte ich mit einem besseren Gefühl ins Examen, weil ich dadurch nochmal sichergestellt habe, dass ich die Karten nicht nur stumpf auswendig gelernt habe, sondern auch im Fall anwenden konnte.

  • #9

    Phillip (Freitag, 05 März 2021 11:48)

    Top, danke Dir! Den Fokus jetzt auf die Fallbearbeitung zu legen, ist genau das was ich hören wollte. :D Dann mach ich mich mal ran an den Spaß.