Wie lief's im Examen, Christoph?

Heute im Interview: Christoph, der mit der Kombination Rep & Basiskarten ebenfalls ein VB geschafft hat! Es freut mich immer sehr, euch solche Beiträge präsentieren zu können - nicht nur als Showcase für die Wirksamkeit der Basiskarten, sondern auch, weil es für mich selbst hochinteressant ist, zu erfahren, wie ihr mit meinen Karten lernt und umgeht. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo, Christoph! Wie ist es gelaufen?

 

Hey Thomas! Es ist wirklich gut gelaufen: Trotz mancher Höhen und Tiefen in der Vorbereitung habe ich ein VB geschafft!


Wie lange hast du dich insgesamt auf dein erstes Staatsexamen vorbereitet?

Letztendlich waren es etwas mehr als zwei Jahre bis ich die Klausuren geschrieben habe.

Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt? Wie hast du deine Vorbereitung eingeteilt?

 

Ich habe anfangs nicht groß über sonstige Möglichkeiten der Examensvorbereitung nachgedacht und bin (wie fast alle meine Kommilitonen) in ein Repetitorium gegangen. Leider habe ich mir erst viel zu spät eingestanden, dass mir die dortige Art der Stofferarbeitung nicht liegt. Mir hat vor allem die Wiederholung und Vertiefung des Grundwissens gefehlt, welche durch die Bearbeitung von diversen Sonderproblemen verdrängt wurde.

 

Schon während des Reps und in der Zeit danach habe ich mit digitalen Karteikarten gearbeitet, allerdings noch nicht mit Anki. Besonders die Wiedervorlage kurz vor dem Zeitpunkt des Vergessens und die Möglichkeit Karteikarten nach Stichworten durchsuchen zu können fand ich toll. Die von mir erstellten Karten waren aber sehr überladen, weil ich versucht habe viel zu viel Stoff auf die Karten zu quetschen. So bin ich nicht schnell vorangekommen und das war nicht wirklich motivierend…

 

Eines Tages bin ich dann bei einer Suche im Internet auf die Dokumentation der Jura-Vorlagen für Anki und über diese Seite dann auf die Basiskarten gestoßen. Das war ein „Aha-Moment“ für mich, weil ich durch die Erfahrung, die ich beim Erstellen und Wiederholen meiner eigenen Karten gesammelt hatte, sofort den großen Vorteil der Jura-Vorlagen erkannt habe: Das Wissen befindet sich auf einer Karte, lässt sich aber in kleinen Portionen und dennoch zusammenhängend abfragen.

 

Ich habe nach einer Testphase gemerkt, dass die Basiskarten „genau mein Ding“ sind und dann kurzerhand meine bisherige Lernmethode umgestellt: Für die Gebiete, für die es schon Basiskarten gab, habe ich diese heruntergeladen und für die restlichen, insbesondere für das öffentliche Landesrecht, habe ich dann anhand von Skripten und Rep-Unterlagen eigene Karten mit den Jura-Vorlagen erstellt. Für die Rechtsgebiete, für die dann noch Basiskarten erschienen sind, habe ich sogar oft meine eigenen Karten (bis auf einzelne mir besonders wichtige) aus dem Stapel entfernt und stattdessen mit den Basiskarten weitergelernt. Eine solche Umstellung war natürlich ein gewisses Risiko und hat eine Weile gedauert, aber ich habe es nicht bereut!

 

Zusätzlich zu den Karten habe ich regelmäßig Fälle gelöst und bin in den Klausurenkurs an der Uni gegangen. 


Wie genau hast du mit den Basiskarten gelernt (z.B. wie viele neue Karten pro Tag/wann wiederholt)? Wie sah da deine Routine aus?

 

Weil ich natürlich trotz der Umstellung meiner Lernmethode in absehbarer Zeit das Examen schreiben wollte, musste ich bei der Anzahl der neuen Karten ordentlich Gas geben. Ich habe versucht immer so um die 40 neuen Karten pro Tag zu lernen, manchmal auch mehr. Wenn man aber von Anfang an mit den Karten lernt, reichen die empfohlenen 20 neuen Karten pro Tag meiner Meinung nach gut aus, um relativ „entspannt“ durchzukommen. Wer – wie ich – nicht mehr ganz so viel Zeit hat, dem empfehle ich, eine Reihenfolge nach der Wichtigkeit bzw. Examensrelevanz der Rechtsgebiete und den eigenen Stärken und Schwächen zu erstellen.

 

Als Routine habe ich mir angeeignet, immer zuerst die fälligen Karten zu wiederholen und zwar querbeet durch alle Rechtsgebiete. Das gibt das gute Gefühl überall auf dem Laufenden zu sein – ein weiterer großer Vorteil von Anki! Dazu habe ich die Einstellungen in Anki so angepasst, dass die neuen Karten erst nach den Wiederholungen abgefragt werden. Das ist aber sicherlich Geschmacksache. Außerdem habe ich noch die Zeit für die Wiedervorlage der Karten über den Antwortknöpfen ausgeblendet. Mir hat das geholfen, meine Antworten unbeeinflusst von dem Zeitpunkt der Wiedervorlage zu bewerten.

 

Wie viele Anki-Karteikarten hast du heute insgesamt in deiner Sammlung?

 

Die Sammlung ist mit der Zeit stetig angewachsen und heute befinden sich knapp 6000 Karten darin.

 

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage pro Woche hast du gearbeitet?

Unter der Woche habe ich meinen Tag immer morgens gegen 8:30 Uhr mit der Wiederholung der fälligen Anki-Karten begonnen (sich dazu eine große Tasse Kaffee zu gönnen erleichtert das ganze sehr!) Außerdem hat es mir geholfen, mit den Rechtsgebieten anzufangen, deren Karten schon relativ gut sitzen, weil man da den Lerneffekt sieht und anschließend motivierter ist für schwierigere bzw. neuere Karten. Anschließend habe ich dann ganz neue Karten gelernt.

 

Alles in allem hat sich das meist bis in den Nachmittag hineingezogen. Das lag aber vor allem daran, dass ich ja mehr neue Karten gelernt habe um schneller voran zu kommen. Den restlichen Tag habe ich dann für in den Basiskarten noch nicht vorhandene Rechtsgebiete eigene Karten erstellt und an zwei Abenden die Woche noch einen Examensfall gelöst. Gegen 19:30 Uhr (natürlich mit Pausen) war der Tag dann meist beendet. Kurz vor dem Examen kamen aber auch ein paar Nachtschichten dazu.

 

Anfangs habe ich auch samstags noch gelernt, später bin ich dann in den Klausurenkurs der Uni gegangen. Am Sonntag habe ich ungefähr bis auf die letzten fünf Wochen vor dem Examen frei gemacht.

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?

Insgesamt habe ich 36 Klausuren im Klausurenkurs geschrieben, 17 im Zivilrecht, 12 im öffentlichen Recht und 7 im Strafrecht.

Gibt es sonst noch Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?

 

Im Examen habe ich festgestellt, dass man, wenn man die Grundlagen und Zusammenhänge eines Rechtsgebiets gut verstanden hat, auch unbekannte Probleme erkennen und lösen kann – einfach, weil man weiß, wie es im „Normalfall“ ist. Abweichungen davon erkennt man dann meist recht gut und kann diese auch einordnen. Lasst euch also nicht verunsichern, wenn sich manche nur mit irgendwelchen abstrusen Konstellationen befassen, sondern konzentriert euch auf die Basics und wiederholt diese so oft es geht mit den Basiskarten! Im Examen kommen sehr viel weniger Spezial-Probleme als man vielleicht glaubt. Der Schwerpunkt einer Examensklausur liegt ganz klar darin, zu prüfen, ob die Strukturen eines Rechtsgebiets verstanden worden sind.

 

Und noch ein Tipp: Probiert die Merkworttechnik! Es mag am Anfang vielleicht schwierig sein sich das Fantasiewort zu merken, aber es sitzt durch regelmäßiges Wiederholen wie eine Vokabel immer besser und gibt einem dann im Examen und der mündlichen Prüfung eine große Sicherheit. Ich empfehle bei den Merkwörtern eher die Bewertung „schwer“ zu wählen (auch wenn sie gut gekonnt sind), weil sie dann öfter abgefragt werden.

 

Was steht bei dir als Nächstes an? Und wird Anki da auch eine Rolle spielen?

 

Im Frühjahr werde ich mit dem Referendariat beginnen und ja, Anki wird da auf jeden Fall eine Rolle spielen! Um für das materielle Recht auf dem Laufenden zu bleiben werde ich mit den Basiskarten weiter lernen und für den neu vermittelten Stoff eigene Karten anhand der Jura-Vorlagen erstellen.


Vielen Dank für das Interview!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    V (Samstag, 02 März 2019 23:23)

    Vielen Dank für solche Interviews, die wirken echt motivierend.

  • #2

    Thomas (Basiskarten Jura) (Montag, 04 März 2019 07:58)

    Ja, auf mich selbst auch! :-D

    Es freut mich total, dass die Interviews gut ankommen. LG!