Wie lief's im Examen, Jonas?

Heute mal wieder ein Erfahrungsbericht: Jonas Zimmermann hat sich auf das erste Staatsexamen vorbereitet, indem er mit den Jura-Vorlagen selbst Karteikarten für Anki erstellt hat. Wie er genau vorgegangen ist und wie es bei ihm geklappt hat, berichtet er uns im Interview.

Hallo, Jonas! Wie ist es gelaufen?

 

Besser als gedacht! Ich bin überaus zufrieden mit meinem Ergebnis, am Ende kam ich auf das so begehrte VB. Das hat sich während des Studiums nicht unbedingt angedeutet, ich hatte auch mal unter Klausuren stehen „Kaum nachweisbare juristische Kenntnisse.“ Aber ich habe mich trotz derartiger Tiefschläge immer noch sehr für die Thematik interessiert und mich deswegen nur kurz beirren lassen.


Wie lange hast du dich insgesamt auf dein erstes Staatsexamen vorbereitet?

Ich habe mir exakt zwei Jahre gegönnt, bevor ich die Aufsichtsarbeiten abgelegt habe.

Wie hast du dich vorbereitet? Hast du ein Rep besucht? Mit welchen Mitteln hast du gelernt?

 

Ich habe zwölf Monate lang ein kommerzielles Repetitorium besucht und anschließend noch den Klausurenkurs vom Repetitorium und den der Universität.

Skripten und Lehrbücher habe ich so gut wie nie benutzt. Ich habe fast ausschließlich mit Fällen gelernt: eine eigene Lösung erstellt und danach die Lösung durchgearbeitet. Definitionen, Streitstände und wichtige Fragen habe ich bei Anki eingegeben und falls ich etwas gar nicht verstanden habe, gezielt mal in einem Skript oder Buch nachgeschlagen. Ansonsten nahm das Wiederholen mit Karteikarten immer mehr Zeit in Anspruch. Hierbei habe ich ausschließlich selbst Karteikarten erstellt und dafür die Jura-Vorlagen genutzt. Diese habe ich als überaus hilfreich empfunden.

 

Meiner Erfahrung nach ist man nach dem Besuch des Repetitoriums noch nicht bereit für das Examen, man wird aber in die Situation versetzt, sich danach nochmal vernünftig vorbereiten zu können, um überhaupt das gefragte Niveau zu erreichen. Diese Grundlage und das systematische Verständnis hätte ich ohne Repetitorium so nicht erlangt.

Was ist aus deiner Sicht besonders wichtig beim Erstellen eigener Karteikarten?

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wenig Sinn macht, Schemata oder Streitstände auf Karten zu schreiben, die man selbst nicht versteht. Dann lernt man totes Wissen auswendig, welches dann im Ernstfall – der Klausur – nicht abrufbar ist. Daher habe ich die Karteikarten immer aus Falllösungen herausgeschrieben.

 

[Anmerkung von Thomas: Die in den Basiskarten enthaltenen Jura-Schemata sind aus diesem Grund bewusst kurz gehalten. Um sie euch zu merken, könnt ihr die absurde Merkwörter-Technik anwenden, die ich hier beschrieben habe.]

 

Wie sah ein typischer Tag in der Examensvorbereitung für dich aus? Wie viele Tage hast du pro Woche gearbeitet?


Ich habe meist sechs Tage die Woche ca. 6 – 7 Stunden täglich gelernt. Mittwochs und samstags jeweils eine Klausur geschrieben.

Mein Tag begann stets mit dem Wiederholen mittels Karteikarten, das nahm meist zwei Stunden in Anspruch, zum Ende hin mehr. Danach habe ich Fälle gelöst und die Lösungen durchgearbeitet. Drei Tage habe ich für Zivilrecht aufgewendet, zwei für das Öffentliche Recht und Strafrecht, je nachdem, ob noch Zeit war, an den anderen Tagen gelernt.

Wie viele Übungsklausuren hast du geschrieben?

Im Repetitorium geisterte die magische Zahl von 70 ausgeschriebenen Klausuren herum, daran habe ich mich orientiert. Letztendlich bin ich auf 68 gekommen.

Zweifellos war das der nervigste und anstrengendste Teil der Examensvorbereitung, aber auch der effektivste.

Allein die Routine und das stetige Einüben des Gutachtenstils lohnt, da ist das Thema der Klausur beinahe nebensächlich.

 

[Anmerkung von Thomas: Ganz wichtig ist dabei aus meiner Sicht noch, die eigenen Klausuren auch gründlich nachzuarbeiten, damit man nicht dieselben Fehler beim nächsten Mal wieder macht.]

Gibt es sonst noch Tipps, von denen du besonders profitiert hast und die du weitergeben möchtest?

 

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass mir nur stetiges Wiederholen hilft. Die Stofffülle ist einfach unfassbar riesig, durch einmaliges Lesen konnte ich mir nie eine bestimmte Problematik einprägen. Daher habe ich bereits in der ersten Woche begonnen, meine Anki-Datenbank zu füllen.

Am Ende bestand diese aus 2342 Karteikarten, die ich mir in den zwei Jahren gut 32.000 mal angesehen habe. Das mag unfassbar klingen, war aber tatsächlich eine nette Abwechslung zum Brüten über Falllösungen. Und kann mittels der App auch in der Bahn oder bei sonstigen Wartezeiten erledigt werden.


Vielen Dank für das Interview!

 

Info Person

Hast du dich auch mit Anki, den Jura-Vorlagen oder den Basiskarten auf dein Staatsexamen vorbereitet? Dann schreib mir und erzähl uns, wie es gelaufen ist! Wir wollen von dir hören!

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